Die Debatte, die sich daran entsponnen hat – Herr de Maizière ist in der Zwischenzeit wieder etwas zurückgerudert –, erinnert stark an die von Bundespräsident Christian Wulff im Jahr 2010 geprägte Aussage „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Der Streit über die Feiertagsäußerung ist ein Nachhall dieses Satzes.
Über den Autor
Alexander Görlach, 40, ist In Defense of Democracy Affiliate Professor am Harvard University College in den USA.
Immer dann, wenn vom Islam gesprochen wird, wird auf das Christentum verwiesen: Seine geschichtliche und aktuelle Bedeutung sind unumstritten, die Identität Europas ist bleibend mit der christlichen Religion verbunden.
Die liberalen Demokratien der Gegenwart geben keine religiöse Empfehlung ab, vor ihrem Gesetz und Seiner Herrschaft sind alle gleich. Gleichzeitig hat das Christentum – es ist nicht die einzige Religion, der das gelungen ist – einen Kranz des Politischen und Ethischen um das Gemeinwesen geflochten, das nichts mit religiöser Praxis, sondern mit Zugehörigkeit und Zusammenhalt zu tun hat.
Komplexe Gemengelage
Für die wirklich Säkularen unter uns ist diese Verbindung von Religion und weltlichem Staat generell eine Zumutung und somit eine weitere Facette der Debatte: Es geht nicht darum, welche Religion Feiertage als staatliche Ruhetage zugesprochen bekommt, sondern dass dies überhaupt geschieht.
Die Gemengelage ist komplex: Mit der Überlegung, einen islamischen Feiertag einzuführen, korrespondiert die Forderung, alle religiösen Feste abzuschaffen. Nur damit es einmal gesagt ist: In dieser Diskussion sind es eben meist nicht die Muslime, die fordern, dass der St.-Martins-Umzug oder das Weihnachtsfest nicht mehr so heißen oder im Kindergarten gefeiert werden sollen.
Dafür gibt es keine Mehrheit – und das ist auch gut so. Das Christentum ist die Religion der meisten Europäer, es definiert unsere kulturelle Welt, und es war prägend in den vergangenen 1600 Jahren.
Minderheiten haben einen Platz
Sowohl im Glauben des Christentums als auch in der Überzeugung liberaler, säkularer Demokratien haben Minderheiten einen Platz. Ihnen wird von der Mehrheit zugesagt, dass diese nicht über sie hinwegfegt und sie kulturell planiert. Es wird darauf ankommen, dass die abendländische Kultur das hält, was sie in die Welt hinein, an viele verzagte Orte, an denen die Menschenrechte missachtet und mit Füßen getreten werden, verspricht: eine am Wohl des Menschen orientierte christliche und humanistische Kultur zu sein.
Die Mehrheit in Deutschland hat ihrerseits ein Recht darauf, dass ihre Kultur erkennbar bleibt. Sie lehnt einen islamischen Feiertag mit großer Mehrheit ab, zu 76 Prozent laut Umfrage. Ein islamischer Feiertag würde den Graben zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft wohl tiefer machen, als ihn einzuebnen.
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