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Saturday, December 1, 2018

G20-Staaten einigen sich auf Gipfelerklärung - Kompromisse bei Handel, Klimaschutz und Migration

G20-Staaten einigen sich auf Gipfelerklärung : Kompromisse bei Handel, Klimaschutz und Migration

Beim G20-Gipfel in Buenos Aires haben sich die Staats- und Regierungschefs auf eine gemeinsame Abschlusserklärung verständigt. Bei wichtigen Themen wie Handel, Klimaschutz und Migration mussten starke Meinungsunterschiede allerdings hinter Kompromissformeln versteckt werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Die aktuellen Entwicklungen im Ticker von FOCUS Online.

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Spät, aber oho - Trump fordert "Angela" - und ist dann ungewöhnlich still: Merkel wirbelt G20 auf

Spät, aber oho: Trump fordert "Angela" - und ist dann ungewöhnlich still: Merkel wirbelt G20 auf

Speed-Dating bei G20: Nach ihrer Verspätung macht Kanzlerin Merkel beim Gipfel in Buenos Aires Tempo. Von wegen "lahme Ente". Ein anderer aus dem Kreis der Mächtigsten dieser Welt lässt es dagegen ungewöhnlich ruhig angehen.

Wer zu spät kommt, wird manchmal besonders herzlich empfangen. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz nach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am Freitagabend das prachtvolle Foyer des Teatro Colon in Buenos Aires betritt, breitet Gastgeber Mauricio Macri erleichtert die Arme für sie aus, als wollte der Staatschef Argentiniens sagen: "Schön, dass Du es doch noch geschafft hast."

Merkel wirkt trotz der Strapazen gut gelaunt

Merkel hat die längste Anreise zu einem Gipfel in 13 Jahren Kanzlerschaft hinter sich: 28 Stunden Odyssee vom Flughafen Berlin-Tegel, militärischer Teil, bis zum berühmtesten Opernhaus Südamerikas - wegen einer Panne an ihrem Regierungsflieger. Trotz der Strapazen wirkt sie gut gelaunt, sogar ein bisschen aufgedreht.

Das Gruppenfoto nutzt sie für ein erstes Gespräch mit Putin, mit dem sie dann am nächsten Morgen auch beim Frühstück sitzt. Ihr bleiben am zweiten Gipfeltag nur wenige Stunden, in die sie alles hineinpackt, was sie sich für zwei Tage vorgenommen hatte. Fünf bilaterale Gespräche, zwei Arbeitssitzungen mit allen, dazwischen noch ein Termin für die Medien. 

"Angela, lasst uns Angela einbeziehen"

Merkel macht nach ihrem angekündigten Rückzug auf Raten aus der Politik nicht den Eindruck eines Auslaufmodells auf der Weltbühne. Im Gegenteil: Sie wird gebraucht. In der verworrenen Lage im Ukraine-Konflikt schauen nun viele auf sie. Deutschland versucht hier zwar seit viereinhalb Jahren einigermaßen erfolglos zu vermitteln, genießt aber immer noch mehr Vertrauen auf beiden Seiten als jedes andere Schwergewicht in der internationalen Politik.

Auch Donald Trump sieht das so: "Angela, lasst uns Angela einbeziehen", forderte er kurz vor dem Gipfel. Solche Töne in Richtung Deutschland ist man von dem US-Präsidenten, der für Samstagnachmittag mit Merkel verabredet war, nicht gewohnt. Im Gegenteil: Deutschland war bei Trumps bisherigen Gipfelteilnahmen eine Art Lieblingsgegner, den er gerne schon vorab per Twitter attackierte. Sei es wegen des Handelsdefizits oder mangelnder Verteidigungsausgaben.

Trump ließ Gespräch mit Putin platzen

Ganz anders diesmal. Über seine PR-Waffe Twitter kommen vor allem warme Worte: Er lobt seinen verschiedenen Vorgänger George H. W. Bush, bedankt sich artig bei den Gipfel-Gastgebern und den Kollegen, für tolle Gespräche und produktives Arbeiten.

Bei wesentlichen Arbeitssitzungen in Buenos Aires ist Trump jedoch gar nicht dabei. Weder an der wichtigen Session zum Welthandel am Freitagnachmittag - wozu Trump seinen Finanzminister Steven Mnuchin ins Plenum schickt - noch bei den Gesprächen zum Klimaschutz am Samstag ist er persönlich anwesend. Das schon minutiös geplante Treffen mit Putin sagt er gleich ganz ab - wichtige weltpolitische Fragen, darunter die ungewisse Zukunft des Atomabrüstungsvertrages INF, bleiben auf höchster Ebene unbehandelt.

Wichtige Termine überlässt Trump seinen Ministern

Das heikle Thema Saudi-Arabien überlässt er inmitten der Affäre um den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul seinem Außenminister Mike Pompeo. Ein Handschlag mit dem saudischen Prinzen, so wie Wladimir Putin es tat, wollte Trump nicht. Der einstige Reality-TV-Star denkt in Wahrnehmungsspitzen - und mit nüchterner Gipfelarbeit dringt er beim heimischen Publikum nicht durch - noch dazu, wenn zugleich mit George H. W. Bush ein Amtsvorgänger stirbt und in Alaska die Erde bebt.

Die vornehme Zurückhaltung ist erklärbar: Trump braucht unter anderem in der Ukraine-Krise Hilfe - und für die setzt er auf Merkel. Ohnehin hat der US-Präsident für den Gipfel in Buenos Aires weniger die Mühsal der Arbeitssitzungen als sein Ziel definiert. Sein Visier hat er auf das gemeinsame Abendessen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping eingestellt. Dort wollte er nach Gipfelschluss am Samstagabend die Voraussetzung schaffen, um den selbst angezettelten Handelskrieg mit dem Reich der Mitte zu beenden - oder ihn zumindest nicht weiter eskalieren zu lassen.

Russland-Ermittlungen bringt Trump in Bedrängnis

Trump sagt sogar eine bereits geplante Pressekonferenz zum Gipfelabschluss in Buenos Aires ab - aus Respekt vor dem toten Bush und dessen Familie. Der Respekt ist in Trumps Amtsführung jedoch neu - während der Beerdigung von Senator John McCain hatte er Golf gespielt und sich via Twitter über angebliche Fake News beschwert. 

Der vielleicht entscheidende Grund für den stillen Trump dürfte jedoch in der Heimat zu suchen sein. In der Russland-Affäre ist er nach einem überraschenden Eingeständnis seines früheren Anwalts Michael Cohen noch mehr unter Druck geraten. Die Leute von FBI-Sonderermittler Robert Mueller sprechen inzwischen von Trump im Zuge der Untersuchungen als "Individual One" (Person Nummer eins).

"Gegner" soll Druckmaterial über Trump besitzen

Es geht um ein Bauprojekt in Moskau, das Trump länger als bisher bekannt und bis weit in den Wahlkampf 2016 verfolgt haben soll. Trump habe schlicht gelogen, schreibt etwa das angesehene Magazin "The Atlantic". "Ein ausländischer Gegner hat über längere Zeit potenziell belastendes Material über den Präsidenten besessen."

Das könnte eine neue Qualität der Ermittlungen bedeuten, die seit Monaten Trumps Präsidentschaft hemmen und die er so gern beendet sähe. Die Neuigkeiten dürften auch im Weißen Haus Alarm auslösen, wo die Arbeit des Sonderermittlers nach wie vor öffentlich als ungerechtfertigte Hexenjagd abgetan wird. Einen Fototermin mit Wladimir Putin sah Trump offenbar als nicht imagefördernd an.

Im Video: Trump lässt Übersetzungs-Kopfhörer auf Boden fallen

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Kampf um CDU-Vorsitz im News-Ticker - Sechs Tage vor der Wahl: NRW-Zwischenstand gibt Fingerzeig, wer auf Merkel folgt

Kampf um CDU-Vorsitz im News-Ticker: Sechs Tage vor der Wahl: NRW-Zwischenstand gibt Fingerzeig, wer auf Merkel folgt

Der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz geht in die entscheidende Phase: In weniger als einer Woche wird entweder Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn oder Friedrich Merz die Nachfolge von Angela Merkel antreten. Die Entwicklungen im News-Ticker von FOCUS Online.

Eine Woche vor der entscheidenden Wahl gibt es in Nordrhein-Westfalen einen ersten Zwischenstand. Die "Rheinische Post" fragte bei etwa 150 der 296 CDU-Delegierten aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland nach, wen sie kommenden Freitag wählen wollen - Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn oder Friedrich Merz.

Während einige der Delegierten auf das Wahlgeheimnis hinwiesen, gaben immerhin 45 Delegierte bekannt, wen sie wählen wollen. Das Ergebnis:

  • 21 Stimmen für Friedrich Merz
  • 14 Stimmen für Annegret Kramp-Karrenbauer
  • 10 Stimmen für Jens Spahn.

Hier liegt Merz zurzeit also vorne - die "Rheinische Post" betont aber, dass es sich bei dem Zwischenstand um keine repräsentative Umfrage handelt.

Unter den Befragten, die ihr Ergebnis preisgaben sind auch zwei sehr prominente CDU-Abgeordnete.

Carsten Linnemann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT), will für Friedrich Merz stimmen. Er galt eigentlich über Jahre als enger Vertrauter von Jens Spahn. Zusammen mit JU-Chef Paul Zemiak positionierte sich Linnemann immer wieder gegen Kanzlerin Merkel. Zuletzt konnte Linnemann jedoch nicht verhindern, dass sich seine MIT eindeutig für Friedrich Merz als künftigen Parteichef aussprach.

Günter Krings, seit dieser Legislaturperiode Chef der CDU-Landesgruppe in NRW und Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium von Horst Seehofer will Jens Spahn wählen.

NRW stellt die meisten Delegierten auf dem CDU-Parteitag. Mit Friedrich Merz und Jens Spahn gibt es gleich zwei Kandidaten aus dem Bundesland. Landeschef und Ministerpräsident Armin Laschet wollte sein Votum noch nicht bekannt geben.

Im Video: AKK, Spahn oder Merz? Wer die CDU-Mitglieder am meisten überzeugte

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Juso-Bundeskongress - Jusos kritisieren SPD-Parteiführung – doch an Nahles reden sie vorbei

Juso-Bundeskongress: Jusos kritisieren SPD-Parteiführung – doch an Nahles reden sie vorbei

Andrea Nahles beim Juso-Bundeskongress in Düsseldorf. Eine Kombination mit Zündstoff, hatte die SPD-Jugend um ihren Chef Kevin Kühnert doch in den vergangenen Monaten immer wieder massive Kritik an der SPD-Parteiführung geübt. Die rund 300 Delegierten äußerten ihre Bedenken und Kritikpunkte zwar, doch Nahles selbst wurde immer wieder in Schutz genommen. Einen kleinen Grund zur Hoffnung bietet der Auftritt dennoch.

Es ist eine Szene mit Symbolcharakter: Die Verabschiedung der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles beim Bundeskongress der Jusos durch Juso-Chef Kühnert. Er überreicht Andrea Nahles unter tosendem Jubel zwei rote Boxhandschuhe. Weil sich viele Jusos wünschen würden, dass dem Koalitionspartner CDU noch öfter „in die Fresse“ gehauen würde, erklärt Kühnert.

„Einer für Karliczek (Anja Karliczek, CDU-Bildungsministerin), einer für Seehofer (Horst Seehofer, CSU-Chef)“, sagt er bei der Übergabe der Handschuhe an Nahles. Die streift einen Handschuh über, reckt den rechten Arm kämpferisch in die Luft und deutet einen Faustschlag an. Ohrenbetäubender Applaus, spürbare Begeisterung der rund 300 anwesenden Delegierten für die Szenerie. Eine Szenerie, die bezeichnend ist für den Umgang mit der SPD-Vorsitzenden an diesem Tag.

Mit 16 Minuten Verspätung betritt Andrea Nahles um 11.16 Uhr, begleitet von ihren Sicherheitsleuten, den zur Kongresshalle umfunktionierten Veranstaltungsort „Boui Boui“ in Düsseldorf-Bilk. Rote LED-Leuchten strahlen die nackten, weiß gestrichenen Steinwände an, der silberne Lüftungsschacht zieht sich gut sichtbar durch den ganzen Saal. Nahles lächelt einmal kurz und schreitet dann entschlossen zur Bühne. Der Applaus der anwesenden Jusos ist verhalten. Nahles stellt sich an diesem Samstag dem Bundeskongress der SPD-Jugend, der vom 30. November bis zum 2. Dezember in Düsseldorf stattfindet – und damit der Kritik an der SPD-Parteiführung, an den Entscheidungen in der Großen Koalition und den miserablen Umfragewerten der letzten Monate.

Nahles übt Kritik an Jusos

Doch die erwartete, hitzige Debatte bleibt in großen Teilen aus. Vor allem im Umgang mit Andrea Nahles persönlich. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert bedankt sich mehrfach für das Erscheinen von Nahles beim Bundeskongress, auch die anschließenden Redner betonen, dass sie ihr nicht die Schuld am Abstieg der SPD geben würden. „Ich weiß, du kannst die Partei nicht allein retten“, sagt eine der Rednerinnen zu Nahles in der Debatte, die an die Redebeiträge von Nahles und Kühnert anschloss.

Die SPD-Vorsitzende hatte in ihrer Rede zuvor zunächst Kritik an den Jusos geübt. Obwohl der Verbleib in der Großen Koalition per Mitgliederentscheid bestätigt wurde, habe sie das Gefühl gehabt, dass die Jusos die Entscheidung „nicht wirklich akzeptiert“ hätten. Bei jedem Problem würde die SPD-Jugend sofort den Ausstieg aus der GroKo fordern. Das würde den Eindruck verstärken, dass die SPD nicht mit sich selbst im Reinen sei. Die Jusos quittierten das mit Gelächter und missbilligendem Raunen. Nahles wirkte allerdings ebenfalls bemüht, sich mit den Jusos gut zu stellen. Sie griff aktuelle sozialdemokratische Themen auf und polarisierte gegen Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

„Ich frage mich, was Anja Karliczek überhaupt macht, aber wenn sie etwas macht, macht sie es falsch“, rief Nahles unter dem Jubel der Anwesenden. Sie bezog sich damit vor allem auf die Digitalisierungsdebatte um die neue Mobilfunk-Generation 5G. Die Bildungsministerin hatte gesagt, man brauche das neue Netz nicht „an jeder Milchkanne“. Die Kritik an dieser Aussage war groß, Karliczek wurde vorgeworfen, ganze Regionen abhängen zu wollen. Kevin Kühnert hatte in seiner Eröffnungsrede am Freitag bereits massive Kritik an Karliczek geübt.

Kühnert als erklärter GroKo-Gegner

Kühnert selbst widersprach Nahles anschließend, dass die Jusos ständig gefordert hätten, aus der GroKo auszutreten, betonte aber auch: „Die GroKo ist und wird an diesem Wochenende kein großes Thema sein.“ Das mutet vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen seltsam an. Immerhin war die Politik der GroKo einer der Hauptkritikpunkte der SPD-Jugend. Kühnert selbst hatte sich sowohl auf der Nachrichtenplattform Twitter als auch in Talkshows und Interviews immer wieder gegen die GroKo ausgesprochen, gilt als entschiedener GroKo-Gegner. Er ist kein Nahles-Gegner, richtete seine Kritik aber immer wieder an die SPD-Parteiführung – der Nahles nun mal vorsteht. Mitte Oktober forderte er in einem Interview mit dem „Spiegel“, die GroKo am Jahresende auf den Prüfstand zu stellen, Ende Oktober, unmittelbar nach der Hessen-Wahl, schrieb er auf Twitter: „Das Urteil über diese Groko ist final gesprochen.“ Das Thema GroKo vor diesem Hintergrund zu einem nachrangigen Thema zu degradieren, ist ein seltsames Zeichen. Gleichzeitig lässt es aber auch erahnen, wohin Kühnert mit den Jusos will – wieder stärker hin zu einer inhaltlichen Fokussierung auf klassische, sozialdemokratische Themen, mit denen man in der Gesellschaft punkten kann und weg von der eigenen, internen und öffentlichen Zerfleischung.

Da überrascht es dann nicht mehr wirklich, dass die Kühnert und die Jusos ihre teils heftige Kritik an die Parteiführung adressierten – aber eben nicht an die anwesende Andrea Nahles selbst. Die wurde sogar teilweise ein wenig aus der Kritik rausgenommen. Einer der Redner betonte: „Ich bin sauer, aber nicht auf dich, liebe Andrea.“ Obwohl diese als Vorsitzende die richtige Adressatin für die Kritik der Jusos gewesen wäre. So redeten die Jusos zwar über das, was sie seit Monaten stört. Aber nicht miteinander, sondern vielmehr übereinander.

„Wir müssen den Wert der Arbeit sichern“

Doch gleichzeitig zeigte der Nahles-Auftritt auch: Es besteht der Wille, gemeinsam an den internen Problemen der SPD zu arbeiten. Gemeinsam, das heißt die Führung der Mutterpartei mit der SPD-Jugend, den Jusos. So entzweit, wie das Verhältnis der beiden Lager in den Wochen zuvor gewirkt hatte, so bemüht waren die Teilnehmer des Bundeskongresses darum, die inhaltliche Debatte wieder auf einen Nenner zu bringen. In seiner Eröffnungsrede wetterte Kühnert gegen das aktuelle Hartz-IV-System, forderte vehement eine komplett reformierte Grundsicherung, die auch wirklich den Menschen hilft, denen sie helfen soll. Nahles schlug am Samstag in die gleiche Kerbe. „Wir müssen den Wert der Arbeit sichern“, forderte sie und erntete dafür Applaus. Auch beim Thema Europawahl herrschte Einigkeit: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach am Samstagnachmittag von der „wichtigsten Europawahl, die wir je hatten“. Die Europawahl findet am 26. Mai 2019 statt. Die stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende und Kandidatin für das Europaparlament, Delara Burkhardt, betonte gegenüber FOCUS Online am Rande des Kongresses: „Wir müssen wieder deutlicher zeigen, dass wir auf europäischer Ebene relevant sein können.“ Das kann jedoch nur durch ein gutes Wahlergebnis bei der Wahl gewährleistet werden.

Der Auftritt von Andrea Nahles beim Bundeskongress der Jusos lieferte viele Erkenntnisse – genauso wie Hinweise auf eine mögliche Zukunft der SPD. Eine Zukunft, die weg von internen Krisen und hin zur Rückkehr in die inhaltliche Relevanz führen könnte. Dabei stellt sich lediglich die Frage, ob das noch funktionieren kann und welche Reformen es innerhalb der Partei dafür benötigt. Juso-Chef Kühnert brachte es am Freitag auf den Punkt: „Ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist.“

Im Video: Breites Grinsen, Kumpel-Handschlag: Hier begrüßen sich Putin und bin Salman

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- Vor 100 Jahren: Geburt eines toten Staates

Vor 100 Jahren: Geburt eines toten Staates
1918 wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen proklamiert, elf Jahre später hieß es "Jugoslawien". Vor einem Vierteljahrhundert zerbrach der Vielvölkerstaat. War er zum Scheitern verurteilt?

Jugoslawien ist seit einer ganzen Generation tot. Doch der Begriff hat bis heute für viele Menschen eine Bedeutung - nicht nur für solche, die in diesem Land geboren sind, auch für Deutsche, die dort Urlaub gemacht oder eines der zahlreichen jugoslawischen Restaurants besucht haben, die seit den 60er Jahren in vielen Orten der Bundesrepublik entstanden.

Die meisten aber verbinden Jugoslawien heute wohl vor allem mit dem Bürgerkrieg, in dem das Land in den 1990er Jahren zerfiel, und dessen Nachwirkungen bis heute die Staaten prägen, die aus dem zerfallenen Land entstanden sind.

Auch die Gründung des ersten Staates Jugoslawien, am 1. Dezember 1918, war Folge eines Krieges. Als am Ende des Ersten Weltkrieges die Habsburgermonarchie Österreich-Ungarns zusammenbrach und große Teile Europas neu geordnet wurden, ergab sich die Chance, einen alten Traum umzusetzen.

Fataler Geburtsfehler

Bereits im 19. Jahrhundert hatten Intellektuelle - vor allem in Kroatien - die "Illyrische Bewegung" vorangetrieben. Sie basierte auf dem Mythos, dass die Jugoslawen, also die Südslawen, allesamt vom antiken Volk der Illyrer abstammten und daher natürlicherweise in einem Staat zusammen leben sollten. 1917 trafen sich auf der griechischen Insel Korfu Vertreter der Südslawen Österreich-Ungarns - darunter Serben, Kroaten und Slowenen - und Vertreter des bereits 1835 gegründeten serbischen Staates. Gemeinsam einigte man darauf, die Gründung eines gemeinsamen Staates anzukündigen.

Doch die "Deklaration von Korfu" hatte ein entscheidendes Defizit, erklärt die Münchner Historikerin Marie-Janine Calic: "Darin steht, dass Namen, Symbole und Religionen der orthodoxen Serben und der katholischen Slowenen und Kroaten gleichberechtigt sein sollten - aber die Frage, wie das politisch in einer Verfassung umgesetzt werden sollte, blieb offen."

Das erwies sich als fataler Geburtsfehler. Schon damals prägten die heftigen Gegensätze zwischen dem zentralistischen Staatskonzept Serbiens und den föderalen Wünschen bei Kroaten und Slowenen die politische Debatte.

Bund oder K

erker

?

Auch deshalb wird verstärkt seit den 1990ern vor allem in Kroatien behauptet, Jugoslawien sei - wie die Habsburgermonarchie und das Osmanische Reich - ein "Völkerkerker" gewesen, in dem Kroaten und Slowenen von Serben unterdrückt wurden. Historiker widersprechen dieser Sichtweise: "Das Königreich Jugoslawien hat sich nicht aus dem Nichts gebildet", sagt etwa Ulf Brunnbauer von der Universität Regensburg. "Es gab ja politische Eliten in Serbien, Kroatien und Slowenien, die - aus unterschiedlichen Motiven - ein Interesse am gemeinsamen Staat hatten und an diesen Staat glaubten."

Während Serbien sich als Siegermacht des Ersten Welkriegs sah, das die Unabhängigkeit des neuen, gemeinsamen Staats blutig erkämpft hatte, wollten Kroaten und Slowenen sich von der österreichisch-ungarischen Herrschaft befreien, um endlich in einem Land leben, in dem sie gleichberechtigt waren, erklärt Brunnbauer: "Slowenen und Kroaten hatten 1918 tatsächlich wenig oder gar keine Alternative zu Jugoslawien. Eigenstaatlichkeit war nicht sehr populär. Jugoslawien wurde von vielen gewollt."

Zwist der Eliten

Vielleicht brach der neue Staat genau deshalb auch nicht an den inneren Spannungen auseinander. Zerstört wurde er 1941 von außen, als Deutsche und Italiener Jugoslawien besetzen. Aus dem Kampf gegen die Besatzer entstand 1943 dann das zweite Jugoslawien. Doch auch der zweite Staat der Südslawen kämpfte mit ähnlichen Problemen wie der erste, vor allem nach dem Tot seines Gründers und Präsident auf Lebenszeit Josip Broz Tito (1892-1980).

Neben gewaltigen sozialen und ökonomischen Unterschieden zwischen dem Norden - also Slowenien und Kroatien - und dem Süden - Serbien, Mazedonien, Kosovo - mangelte es nach Ansicht von Marie-Janine Calic an der Bereitschaft der Eliten in den verschiedenen Republiken der Sozialistischen Föderation, ihre Partikularinteressen dem gemeinsamen Staat unterzuordnen: "Politisch war entscheidend, dass der Konsens, den die Eliten 1917/1918 gefunden hatten - nämlich einen gemeinsamen Staat aufzubauen -, in den 1980ern zerbrach."

Der angeblich jahrhundertealte Hass zwischen den nationalen Gemeinschaften Jugoslawiens dagegen, der seit Anfang der 1990er oft als Erklärung für Zerfall und Krieg angeführt wird, sei damals kaum vorhanden gewesen, betont der Historiker Hannes Grandits von der Berliner Humboldt Universität: "Untersuchungen zeigen, dass bis zum Anfang der 1990er Animositäten zwischen verschiedenen Völker mit Ausnahme des Verhältnisses von Serben und Albanern nicht stark ausgeprägt waren. Das änderte sich erst nach Beginn der Kampfhandlungen 1991."

Jugoslawien ist tot

Erst im Verlauf der Kriege in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Serbien (1991-99) wuchs also die Kluft zwischen den südslawischen Völkern auf ihr heutiges Niveau. Über ein neues Jugoslawien spricht zwischen Slowenien und Mazedonien heute quasi niemand mehr. "Die Idee des Jugoslawismus ist tot", sagt Geschichtsprofessor Brunnbauer. "Dabei wäre es schön, wenn das nicht so wäre, weil ökonomisch und politisch alles für eine enge Kooperation der postjugoslawischen Länder spricht. Sie verbindet nach wie vor viel, auch wenn die Nationalisten das leugnen." Daher gebe es keinerlei realistische politische Projekte, die auf eine regionale Integration zielen. Das einzige, was die Länder der Region, die heute "Westbalkan" genannt wird, heute verbindet, ist der Wunsch nach der Mitgliedschaft in der Europäischen Union.

Genau darin sehen Historiker die einzige Chance Ex-Jugoslawiens. Hannes Grandits sagt das so: "Die Integration der Westbalkanstaaten in die EU würde dazu führen, dass sich viele Probleme, mit denen diese Länder zu kämpfen haben, von alleine lösen. Nicht alle aber sehr viele."

*Der Beitrag "Vor 100 Jahren: Geburt eines toten Staates" stammt von Deutsche Welle. Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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- Christbaum-Schmuck im Wandel der Zeiten

Christbaum-Schmuck im Wandel der Zeiten
Glaskugeln, Holzengel, Lametta und Lebkuchen - die Deutschen hängen alles Mögliche an ihren Weihnachtsbaum. Eine Ausstellung in Berlin zeigt Christbaumschmuck aus drei Jahrhunderten. Aber nicht immer war er so harmlos.

Beim Deutschen Historischen Museum denken die meisten an Kaiser, Könige und andere bedeutende geschichtliche Figuren. Wenig bekannt ist, dass das Berliner Museum eine umfangreiche Sammlung von Christbaumschmuck besitzt.

Weihnachtsbaum-Kugeln mit politischer Brisanz

Was die Menschen als schöne und stimmungsvolle Objekte der Alltagskultur kennen und lieben, bekommt in der Ausstellung "Engel, Hakenkreuz, Felsendom - Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute" plötzlich eine völlig neue Relevanz, ja mitunter sogar eine politische Brisanz. Denn Christbaumschmuck ist weit mehr als nur Dekoration.

Mehr als 500 Objekte präsentiert die Ausstellung vom 30. November bis zum 3. März 2019. Sie erzählen ganz unterschiedliche Geschichten. Die handgeschnitzten Engel aus dem Erzgebirge berichten von unverfälschter Idylle, die glänzenden Christbaumkugeln samt Lametta von der Kommerzialisierung der Feiertage, Hakenkreuze und andere Nazi-Insignien von der politischen Vereinnahmung des weihnachtlichen Familienfestes.

Äpfel, Nüsse und Brezeln

Die Anfänge des geschmückten Baums waren bescheiden und keineswegs christlich geprägt. Immergrüne Zweige zur Mittwinterzeit schmückten europaweit auf dem Land Haus und Hof als Schutz- und Hoffnungszeichen. Im 17. und 18. Jahrhundert holte der Adel sich einen Baum ins Haus, geschmückt mit Essbarem wie Äpfel, Nüssen und Brezeln, in Basel sogar mit Käse. Zunehmend eroberte der Weihnachtsbaum mit seriell hergestelltem Glasschmuck auch die bürgerlichen Wohnstuben, während die ärmere Bevölkerung ein geschmücktes Gestell aus Holz oder Draht aufstellte.

Heutzutage ist der geschmückte Baum weit verbreitet - und die Auswahl an Möglichkeiten ihn zu schmücken immens: sei es modern, traditionell oder auch einfach nur bunt.

*Der Beitrag "Christbaum-Schmuck im Wandel der Zeiten" stammt von Deutsche Welle. Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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- Bildband und DVD zur Bewegtbild-Illumination am Kölner Dom

Bildband und DVD zur Bewegtbild-Illumination am Kölner Dom
Die Bewegtbild-Illumination Dona Nobis Pacem hat im September tausende Besucher zum Kölner Dom gelockt. Für Dompropst Gerd Bachner wirkt dieses Ereignis bis heute nach. Der neue Bildband und die DVD seien tolle Weihnachtsgeschenke.

DOMRADIO.DE: Blicken wir erst mal zurück: Die Dom-Illumination Dona Nobis Pacem war schon beeindruckend, oder?

Gerd Bachner (Kölner Dompropst): Als ich jetzt das Buch in den Händen hatte und die Bilder angeschaut habe, dachte ich, es ist nach wie vor beeindruckend. Und es sprechen einen noch jeden Tag Leute darauf an. Da sieht man, dass so ein Projekt auch eine Nachhaltigkeit hat, weil die Menschen davon bewegt sind. Wenn sie dann die Gelegenheit dazu haben, mit uns darüber ins Gespräch zu kommen, wird das auch zu Wort gebracht.

DOMRADIO.DE: 150.000 Teilnehmer waren auf der Domplatte dabei, als der Dom erstrahlte. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen, oder?

Bachner: Zwischendurch hatte ich eine Konferenz einberufen, um zu überlegen, welche Maßnahmen wir noch ergreifen müssen, weil sich die Zahl um ein vielfaches erhöht hatte. Ich hatte mit ca. 50.000 Menschen gerechnet, aber die Zahl der Menschen hat sich von Abend zu Abend erhöht. Dann haben wir zusätzlich Sicherheitspersonal geordert, damit für die Menschen auch ein Schutzraum da war. Wenn so viele Menschen zusammenkommen, muss man einiges berücksichtigen. Die Zahl der Besucher hat uns sehr erfreut.

DOMRADIO.DE: Das Ganze kommt jetzt als Buch heraus und als DVD. Wie kam es zu der Entscheidung?

Bachner: Wir vom Dom geben dieses Buch heraus. Und dabei geht es auch um die Frage der Nachhaltigkeit: Man erlebt etwas, das bleibt in den Herzen und das ist sicherlich auch der tiefste Schatz. Aber andererseits ist es schön, die Texte noch einmal zu sehen, die Ansprachen zu hören oder zu lesen. Und der Fotograf hat exzellente Bilder gemacht, Boris Becker, ein international bekannter Fotograf.

DOMRADIO.DE: Nun gibt es neben dem Buch auch eine DVD, die enthält einen Live-Mitschnitt, den DOMRADIO.DE am Eröffnungsabend der Dom-Illumination produziert haben. Und es gibt auch viel Bonusmaterial darauf.

Bachner: Zum Beispiel die Drohnen-Aufnahmen, die man so gar nicht gesehen hat, sind auf der DVD dabei. Es sind wunderschöne Geschenke. Für die, die da gewesen sind, kann man das Ereignis noch einmal vertiefen. Die, die leider nicht konnten, haben nun die Möglichkeit, ein Stück weit dabei zu sein und alles zu erleben. Wir suchen ja immer nach Weihnachtsgeschenken. Man will keinen Ramsch schenken, sondern etwas, womit man Freude bereiten kann zum Fest. Ich lade dazu ein, dieses Buch zu verschenken.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch

*Der Beitrag "Bildband und DVD zur Bewegtbild-Illumination am Kölner Dom" stammt von DOMRADIO.DE. Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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