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Friday, September 1, 2017

Bundestagswahl 2017 - Wie Schulz und Merkel sich auf TV-Duell vorbereiten

Bundestagswahl 2017: Wie Schulz und Merkel sich auf TV-Duell vorbereiten
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Für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist das TV-Duell gegen Angela Merkel die letzte große Chance, Wähler auf seine Seite zu ziehen. Experten wie der Hohenheimer Politikwissenschaftler Frank Brettschneider gehen davon aus, dass insbesondere unentschlossene Wähler sich von solchen TV-Debatten durchaus beeinflussen lassen.

Bei dieser Bundestagswahl ist der Anteil der Unentschiedenen so hoch wie seit 20 Jahren nicht: Das Allensbach-Institut geht von 45 Prozent aus, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden. Das Forsa-Institut geht sogar von 76 Prozent aus. Fast jeder zweite Wahlberechtigte will sich die TV-Debatte einer Umfrage zufolge ansehen.

Das zeigt, wie wichtig das Duell am Sonntagabend für Schulz wird. Der SPD-Mann hat rhetorisches Talent, aber viel weniger Fernseh-Erfahrung als Merkel. Aber auch die Kanzlerin nimmt das direkte Aufeinandertreffen mit ihrem Herausforderer nicht auf die leichte Schulter. So bereiten sich die beiden Kontrahenten auf das Duell am Sonntag vor.

Martin Schulz mit umtriebigem TV-Mann und Ex-Schröder-Sprecher

Von Schulz ist bekannt, dass er zusätzlich zu seinem Team mit zwei Beratern zusammenarbeitet: Zum einen mit dem österreichischen Medienunternehmer Markus Peichl, der auch schon Frank-Walter Steinmeier vor dem Kanzlerduell coachte. Peichl leitete eine Zeit lang das Politikmagazin „Beckmann“ sowie das legendäre „Tempo“-Magazin. Zum anderen holte Schulz sich den früheren „Bild“-Journalisten und Ex-Regierungssprecher Béla Anda an die Seite. Anda sprach für die Regierung, als Gerhard Schröder Kanzler war. Gegenüber der „Bild“-Zeitung betonte der Berater, es gebe keinen Vertrag mit dem Willy-Brandt-Haus oder Schulz, aber man telefoniere „ab und zu“.

Schulz setzt aber nicht nur auf externe Berater, sondern auch auf die Manöverkritik seines Teams. Eine Baustelle für den SPD-Politiker: seine Körpersprache bei TV-Auftritten. Kann Schulz sich nicht an einem Rednerpult festhalten, neigt er zu zwei Extremen: Entweder, er steht völlig steif und unbeweglich vor der Kamera. Diese „Gefrier-Pose“ konnte man bei Schulz beobachten, wenn Nachrichtensendungen zum damaligen EU-Parlamentspräsidenten schalteten.

"Pistolenfinger" und Schulz-Faust: SPD-Mann kämpft mit Gestik

Oder er gestikuliert zu viel und zu aggressiv. „Ein Problem war immer sein Pistolenfinger“, zitiert der „Spiegel“ einen früheren Mitarbeiter. Schulz stellte beim Reden unbewusst den Daumen auf und streckte den Zeigefinger aus. Die eigentlich harmlose Geste wirkte aggressiv, wenn sie von Fernsehkameras eingefangen und isoliert wurde. Mittlerweile sieht man sie bei dem SPD-Politiker nicht mehr.

Appnutzer klicken bitte hier, um zum Wahl-O-Mat zu gelangen.

Aber dafür andere Gesten: Zum Beispiel ballt er oft die Hand zur Faust und fuchtelt damit in der Luft herum. Und statt des verbotenen „Pistolenfingers“ nutzt er nun den Zeigefinger und zeigt damit auf Gegner. Wie schwer es ihm fällt, seine Hände unter Kontrolle zu halten, sieht man an einer anderen Ausweich-Geste: Manchmal hält Schulz die eine Hand mit der anderen fest. Das verhindert zwar Herumgefuchtel, wirkt dafür aber verkrampft.

Schulz‘ Kameratraining mit seinem Team geht aber über Gestik und Mimik hinaus, wie der „Spiegel“ berichtet: Die Mitarbeiter gingen wie vor einem Bewerbungsgespräch alle möglichen Fragen und Antworten mit ihm durch.

So bereitet sich die Kanzlerin vor

Angela Merkel hat Schulz Jahre TV-Erfahrung und den Amtsbonus voraus. Auch wenn sie durchaus witzig sein kann: Als Charisma-Königin oder große Rhetorikerin gilt die Kanzlerin nicht. Merkel weiß das: Bis jetzt hat sie einen Direktvergleich mit Schulz vermieden. Selbst den Namen ihres Herausforderers nimmt sie fast nie in den Mund. Ihr Team will Schulz nicht so einfach die große Bühne überlassen: Eine TV-Debatte mit Studiopublikum wurde abgelehnt. Merkel will möglichst die Bedingungen vorfinden, die sie seit ihrem ersten TV-Duell 2005 kennt.

Anders als Schulz setzt die Kanzlerin auf eine einzige Beraterin: ihre langjährige Vertraute Eva Christiansen. Die Zeiten, in der Merkel zusätzlich TV-Coaching machte, sind vorbei. Die Zuschauer, auch die weniger an Politik interessierten, sind an ihre Art vor der Kamera gewohnt – und auch die Frage, was sie mit ihren Händen anfängt, hat die Kanzlerin früh für sich beantwortet.

Das heißt aber nicht, dass man in Merkels Umfeld den oft rhetorisch starken Schulz unterschätzen würde. Von der Kanzlerin heißt es, sie schaue sich frühere Auftritte des SPD-Mannes sehr genau an. Besonders Schulz‘ TV-Duell mit Jean-Claude Juncker aus dem Jahr 2004. Danach wurde bekanntlich Juncker Kommissionschef, Schulz unterlag.

Hinweis: Mit dem Debat-O-Meter können Sie während der Debatte die Aussagen der Kandidaten bewerten. Es wird etwa ein Stunde vor der Diskussion freigeschaltet. .

(Appnutzer bitte hier klicken um zum Debat-O-Meter zu gelangen. Die Darstellung ist bei Ihnen zu klein? Dann folgen Sie bitte diesem Link.)

mit Agenturmaterial

Video: Kurz vor TV-Duell: SPD-Berater warnt Martin Schulz vor dem Merkel-Parodoxon

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