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Friday, December 22, 2017

Leben in Hamburg - Ghanaer erzählt, wie es sich anfühlt, ein Illegaler zu sein

Leben in Hamburg: Ghanaer erzählt, wie es sich anfühlt, ein Illegaler zu sein
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Nur noch einmal an den Landungsbrücken entlangschlendern und aufs Wasser schauen. Das wünscht sich Agbeko N. (37, Name geändert). Aber ein Spaziergang ist undenkbar. Zu groß die Angst, entdeckt zu werden. Der Mann aus Ghana ist illegal in Hamburg.

Wie Tausende andere auch. Laut einer aktuellen Studie der Migrations-Forscherin Dita Vogel könnten bis zu 520.000 Ausländer in Deutschland untergetaucht sein. Warum sind sie bei uns? Wie leben sie und was für Träume und Ängste haben sie?

Dass er mit anderen Landsmännern irgendwo in Hamburg in einem kleinen Zimmer hausen würde, hätte Agbeko N. nie gedacht. Es ging ihm so gut. Er hatte eine Frau, die er liebte. Ein Zuhause in der Hauptstadt Accra. Ein eigenes Taxi-Unternehmen und eine Möbelfirma. Er reiste um die Welt.

Sein Leben zu Hause brach zusammen

Doch nach einer Dienstreise nach China, bei der er Fabriken für die Produktion seiner Möbel angeschaut hatte, wurde alles anders. „Meine Frau hatte mich mit einem Freund von mir betrogen“, sagt Agbeko N. und schüttelt den Kopf, als könne er es noch immer nicht fassen. Leise fügt er hinzu: „Sie war schwanger. Von ihm.“ Der 37-Jährige wollte nur noch weg. Er schämte sich. Nachdem die Scheidung durch war und er seiner Frau die Möbel-Firma überlassen hatte, stieg er in den Flieger nach Hamburg. „Ich wollte Urlaub machen und kannte Deutschland von früheren Reisen.“

Bereits nach wenigen Tagen im Hotel lernte Agbeko N. einen Landsmann auf der Straße kennen. Der lud ihn direkt ein, bei ihm zu wohnen. Hotel? Das sei doch viel zu teuer. „Das ist bei uns so. Wir sind eine Gemeinschaft. Auch wenn wir uns nicht kennen, helfen wir uns.“

Ein Freund teilt sein Gehalt mit ihm

Wie viele andere Illegale arbeitet Agbeko N. als Reinigungskraft. Ein Freund von ihm hat Papiere und ist bei einer Firma angestellt. Er nimmt ihn mit. Zwei Stunden am Tag putzen die Männer Büros. Am Abend gibt sein Freund Agbeko N. etwas von seinem Geld ab. „Das läuft bei vielen so. Das fällt niemandem auf.“

Zwei Stunden am Tag arbeiten – und den Rest der Zeit? „Gar nichts. Leere. Ich sitze nur so im Zimmer rum.“ So sei es bei den meisten. Einzig die Kinder, die würden ein normaleres Leben führen. Denn die Behörde schaut weg. Die Kinder von Illegalen dürfen trotzdem zur Schule und in die Kita gehen. „Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und es besteht darüber hinaus die Schulpflicht. Egal welchen Aufenthaltsstatus das Kind hat. Dieser wird bei uns gar nicht erfasst“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde.

Seitdem Agbeko N. nach Hamburg kam, sind fast anderthalb Jahre vergangen. Eigentlich wollte der Ghanaer längst wieder in seiner Heimat sein. Aber er wurde schwer krank. Herzrasen, hoher Blutdruck, Fieber, zitternde Hände. Agbeko N. hatte eine lebensbedrohliche Schilddrüsen-Überfunktion. In der Praxis „Andocken“ bekam er Hilfe.

Agbeko will im März wieder nach Hause

Sobald er sich wieder fit genug fühlt, will der Mann nach Hause. Die ständige Angst mache ihn kaputt. „Das ist doch kein Leben. Äußerlich sehen wir Illegalen fröhlich aus und lächeln. Aber innerlich sind wir alle tot.“ Alleine die Sirene eines Krankenwagens würde jedes Mal für Panik sorgen. Schnell ans Fenster, schauen, ob die Polizei kommt, um einen zu holen.

Genauso wie die anderen Illegalen würde er niemals auch nur ein Kaugummi-Papier auf die Straße werfen. Oder die Wohnung verlassen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Ein Bekannter sei zum Feiern auf der Reeperbahn gewesen. Er wurde an der Bahnstation kontrolliert. „Seitdem hat ihn niemand mehr gesehen.“

Im März will Agbeko N. in den Flieger nach Ghana steigen. Er plant, sein Taxi-Unternehmen wieder aufzumachen. Der Mann ist sich sicher: „Dann werde ich wieder ein besseres Leben haben. Zumindest ohne die ständige Angst.“

Abschiebeknast in Glückstadt geplant

Schleswig-Holstein wird in Glückstadt (Kreis Steinburg) eine Abschiebehafteinrichtung schaffen, die auch Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nutzen können. Darauf haben sich die drei Länder geeinigt. Die Einrichtung soll bis zu 60 Plätze haben. Wann sie fertig sein wird, steht noch nicht fest. Für den Betrieb wird Schleswig-Holstein verantwortlich sein.

Das Land nutzt auch den Ausreisegewahrsam am Hamburger Flughafen. Die Landesregierung in Kiel will dem Parlament im ersten Halbjahr 2018 den Entwurf für eine gesetzliche Regelung zur Abschiebehaft zuleiten. Der Vollzug des Ausreisegewahrsams und der Abschiebungshaft seien das letzte Instrument zur Sicherung der Ausreise, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). „Vorrang hat in allen Fällen die Förderung der freiwilligen Ausreise.“ Schutzbedürftigen Menschen werde weiterhin konsequent geholfen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Wiebke Bromberg

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