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Monday, November 26, 2018

Tränengas gegen Frauen und Kinder - Migrantenansturm auf US-Grenze: Jetzt kippt die Stimmung in der mexikanischen Grenzstadt

Tränengas gegen Frauen und Kinder: Migrantenansturm auf US-Grenze: Jetzt kippt die Stimmung in der mexikanischen Grenzstadt
Nach dem gescheiterten Sturm auf die US-Grenze zieht die mexikanische Grenzstadt Bilanz. Das Klima auf beiden Seiten der Grenze wird rauer. Aus Tijuana berichtet Tobias Käufer.

Es dauerte ein paar Stunden, bis die Stadtverwaltung in Tijuana die Zahlen eines turbulenten Tages verkündete. Insgesamt wurden 16 Mexikaner, die sich offenbar eine Schlägerei mit Migranten lieferten, und 36 Honduraner, darunter sieben Frauen, verhaftet. Den Migranten droht nun die sofortige Abschiebung, zumindest kündigte die Regierung an, jene Personen hart zu bestrafen, die eine Polizeisperre durchbrochen hatten und in Richtung Grenze gestürmt waren. Dazu müssten die entsprechenden Personen allerdings erst einmal zweifelsfrei identifiziert werden. Allerdings dokumentierten die Sicherheitskräfte aus Mexiko und den USA mit Überwachungskameras- und drohnen die Ereignisse genau.

Grenzsturm löst Emotionen aus

Die Stunden nach dem Grenzsturm in Tijuana waren geprägt von Wut und Enttäuschung, aber auch von Zustimmung. Einige Anwohner, die wegen der Grenzsperrung nicht über die Grenze konnten, beschimpften die zurückkehrenden Migranten. Andere zollten ihnen Beifall und riefen ihnen aufmunternde Worte zu. Kalt gelassen hat der Tag aber niemanden in Tijuana.

Auch nicht die große Politik. Die meldete sich noch am späten Abend (Ortszeit) zu Wort. Mexikos künftiger Präsident Andres Manuel Lopez Obrador, der voller Tatendrang ist, aber erst am Samstag die Amtsgeschäfte von Enrique Pena Nieto übernimmt, berief sein künftiges Kabinett zu einer Krisensitzung ein. US-Heimatschutzministerin Kristjen Nielsen wiederum erklärte, keine "Anarchie" der Migranten dulden zu wollen.

Diskussionen in der Stadt

In den Straßen Tijuanas wurde über die Ereignisse heftig diskutiert. Cafébesitzer Fernando, der seinen Laden unweit des abgeriegelten Grenzübergangs "El Chaparral" hat, war auf die Migranten nicht gut zu sprechen. "Seit sie in der Stadt sind, gibt es Ärger an der Grenze. Die Leute kommen nicht mehr nach Tijuana, wenn sie diese Bilder im Fernsehen sehen", sagte er im Gespräch mit der DW. Dafür stärken andere Mexikaner den mittelamerikanischen Migranten den Rücken. "Die Leute suchen eine neue Chance. Man muss nicht so brutal reagieren", sagt Fernandos Kundin Ricarda Rodriguez und warf den USA eine zu harte Gangart vor. "Tränengas gegen Frauen und Kinder, das geht gar nicht."

Derweil rechtfertigte sich die Grenzpolizei aus San Diego mit dem Verweis, aus der Gruppe von Migranten mit Wurfgeschossen attackiert worden zu sein. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen in der Tat, wie einige Migranten Steine in Richtung der Grenzbeamten werfen. Die massive Antwort traf allerdings auch Frauen und Kinder, die weiter weg standen und ziemlich erschrocken das Weite suchten.

Die Menschen in Tijuana besorgt vor allem die stundenlange komplette Grenzschließung und dass sich diese Einschränkungen wiederholen könnten. Unternehmer Marcello Hinojosa klagt: "Die Sperren bedeuten einen großen wirtschaftlichen Verlust für beide Seiten. Die, die auf der einen Seite arbeiten und pendeln, könnten ihren Job verlieren. Und viele Touristen könnten davon abgeschreckt werden, uns zu besuchen." Tatsächlich meldeten die lokalen Unternehmen auch an diesem Wochenende einen Umsatzeinbruch.

Tijuana über Grenzsperren besorgt

Am Abend wuchs die Zahl der Migranten in Tijuana noch einmal an. Eine weitere Gruppe von 241 Menschen, die sich aus Mexicali auf den Weg in Richtung Tijuana machte, traf im Übergangslager Benito Juarez ein. Das Lager ist inzwischen völlig überfüllt, trotz der Ankündigung der Stadtverwaltung ist bislang aber noch kein zweites Lager errichtet worden. Die Zahl der sich auf der Sportanlage befindlichen Menschen soll sich inzwischen auf 5.500 erhöht haben. Sie sollen überwiegend aus Honduras stammen. Weitere 3.000 bis 4.000 Menschen seien noch im Landesinneren unterwegs. Sie sollen in den nächsten Tagen in Tijuana eintreffen. Allerdings scheint die Stadt mit ihrem Bürgermeister, der jüngst mit ausländerfeindlichen Äußerungen in Richtung der Migranten auffiel, überfordert zu sein. Die mexikanische Grenzstadt will kein eigenes Geld ausgeben, sondern wartet auf Bundesmittel. Die aber werden wohl erst nach dem Regierungswechsel in größerem Umfang freigegeben.

Tijuana steht nun vor einer ungewissen Woche: "Noch nie haben wir eine so verwundbare Grenze erlebt", schreibt die Tageszeitung "Frontera". Und immer mehr Einwohner Tijuanas sorgen sich, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird.

*Der Beitrag "Migrantenansturm auf US-Grenze: Jetzt kippt die Stimmung in der mexikanischen Grenzstadt" stammt von Deutsche Welle. Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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