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Friday, September 1, 2017

Bundestagswahl 2017 - Debat-O-Meter: Neues Tool zeigt, wie das TV-Duell wirklich bei Zuschauern ankommt

Bundestagswahl 2017: Debat-O-Meter: Neues Tool zeigt, wie das TV-Duell wirklich bei Zuschauern ankommt
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Am Sonntagabend um 20.15 Uhr stehen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) im TV-Duell von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gegenüber.

Wie die Argumente der Politiker wirklich bei den TV-Zuschauern ankommen, erfährt man aber an der Regel nicht. An der Einschaltquote kann man höchstens ablesen, auf wie viel Interesse die Debatten generell stoßen.

Ein Tool der Universität Freiburg soll das ändern: Das Debat-O-Meter erlaubt es den Zuschauern, über Smartphone, Tablets oder PC in Echtzeit zu zeigen, was sie von der Aussage eines Kandidaten halten. Die Bewertungen werden anonymisiert ausgewertet. Es sind also keine Rückschlüsse darauf möglich, welche Person welchen Politiker sympathisch oder unsympathisch findet.

So können Sie mit abstimmen

Vor der Bundestagswahl 2017 bietet auch FOCUS Online seinen Nutzern an, über das Debat-O-Meter abzustimmen. Sie finden das Tool weiter unten im Text. Achtung, „scharfgestellt“ wird es erst eine Stunde vor Beginn der TV-Debatte, also ab 19.15 Uhr.

Wenn Sie das Tool gestartet haben, werden Ihnen zunächst einige allgemeine Fragen zu Ihren politischen Präferenzen gestellt. Später sehen Sie Fotos der Kandidaten und die Tasten ++, +, - und --. Damit können Sie angeben, zu welchem Moment der Debatte sie einen guten oder schlechten Eindruck von den Kandidaten haben.

Sie können bis zu einmal pro Sekunde abstimmen. Klicken oder tippen Sie nicht, werden keine Daten übertragen. Das wird als neutrale Bewertung aufgefasst. Wenn Sie eine Bewertung über einen längeren Zeitraum mitteilen wollen, können Sie den entsprechenden Knopf mehrfach anklicken oder antippen.

Wer gewinnt?

Das Debat-O-Meter-Team analysiert schon während der Debatte, welcher Kandidat wie gut bei den Nutzern angekommen ist. Weil die Daten in Echtzeit übertragen werden, kann schon wenige Minuten nach Sendungsschluss gesagt werden, wer aus Sicht der Nutzer die Debatte „gewonnen“ hat – und auch, wer den Nutzern am wenigsten sympathisch war.

(Appnutzer bitte hier klicken um zum Debat-O-Meter zu gelangen. Die Darstellung ist bei Ihnen zu klein? Dann folgen Sie bitte diesem Link.)

Video: Umfrage zeigt: Jeder zweite Wahlberechtigte will sich TV-Duell ansehen

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Gastbeitrag von Christoph Butterwegge - Große Koalition – kleine Erfolge: Eine sozialpolitische Bilanz

Gastbeitrag von Christoph Butterwegge: Große Koalition – kleine Erfolge: Eine sozialpolitische Bilanz
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Angela Merkel feiert die Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik ihrer Regierung als Erfolg auf der ganzen Linie: „Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut wie heute.“

Diese oberflächliche, weil undifferenzierte Einschätzung der Lebenslagen von 82,5 Mio. Einwohnern berücksichtigt zwar, dass die Reichen in der vor dem Abschluss stehenden Wahlperiode reicher, unterschlägt aber, dass die Armen gleichzeitig zahlreicher geworden sind.

Während die beiden reichsten Geschwister unseres Landes, Susanne Klatten und Stefan Quandt, im Mai 2017 für das Vorjahr eine Rekorddividende in Höhe von 1,074 Milliarden Euro nur aus ihren BMW-Aktien bezogen, befanden sich 600.000 Alleinerziehende mit 1 Mio. Kindern im Hartz-IV-Bezug, 4,1 Mio. Geringverdienerinnen und Geringverdiener unter der Armuts(risiko)grenze, 526.000 Rentnerinnen und Rentner in der staatlichen Grundsicherung und 6,85 Mio. Menschen in der Schuldenfalle. Alle diese Zahlen sind deutlich höher als vier Jahre zuvor, was den eingangs zitierten Satz der Kanzlerin als soziale Wohlfühlpropaganda und politische Beruhigungspille entlarvt.

Über den Experten

Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrte bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Zuletzt hat er die Bücher „Armut“ (PapyRossa Verlag), „Kritik des Neoliberalismus“ (Springer VS) sowie „Reichtumsförderung statt Armutsbekämpfung. Eine sozial- und steuerpolitische Halbzeitbilanz der Großen Koalition“ (Springer VS) veröffentlicht.

Hier geht’s zur FOCUS-Online-Expertenwelt

Normalarbeitsverhältnisse noch nie unter so massivem Druck

Eine ganz andere Antwort auf die Frage nach dem Erfolg oder Misserfolg der Großen Koalition ergibt sich, wenn man die Schattenseiten der Wohlstandsentwicklung nicht ausblendet: Noch nie stand das Normalarbeitsverhältnis unter so massivem Druck, litten mehr Beschäftigte unter der Befristung ihres Arbeitsverhältnisses, seiner untertariflichen Bezahlung und/oder mangelnden Aufstiegschancen und fehlenden Möglichkeiten zur Planung ihres (Familien-)Lebens. Für die Normal- bzw. Geringverdiener, Studierenden, Transferleistungsbezieher und Rentner in einer deutschen Groß- oder Universitätsstadt war es noch nie so schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Noch nie waren auch so viele junge Leute gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten, um es finanzieren zu können. Schließlich ist das Rentenniveau trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums nie zuvor so stark gesunken wie in den vergangenen Jahren.

Angesichts dieser Problemlage sind CDU/CSU und SPD ihrer Verantwortung in der Großen Koalition nicht gerecht geworden. Zu fragen bleibt, ob ihre Pläne für die nächste Legislaturperiode eine Korrektur der Einkommens- und Vermögensverteilung ermöglichen, was nicht zuletzt nötig wäre, um rechten Stammtischen die Munition für eine gezielte Stimmungsmache gegen ethnische Minderheiten zu nehmen.

Mindestlohn, Rentenpakete und Mietpreisbremse

Durch die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 hat die zweite Große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel arbeitsmarktpolitisches Neuland betreten. Gemindert wurde dieser sonst zweifellos historisch zu nennende Fortschritt einerseits durch zahlreiche Ausnahme- und Sonderregelungen, die gerade sozial benachteiligte Personengruppen wie Langzeitarbeitslose, Jugendliche ohne Berufsabschluss, Kurzzeitpraktikanten, Zeitungszusteller und Gefängnisinsassen zeitweilig oder ganz vom Mindestlohn ausschlossen, sowie andererseits durch die Tatsache, dass der deutsche Mindestlohn mit 8,50 Euro (ab 1. Januar 2017: 8,84 Euro) brutto pro Stunde der niedrigste in ganz Westeuropa war und ist. Aus diesem Grund konnte die massenhafte Erwerbsarmut durch ihn zwar vermindert, aber nicht verhindert werden, dass der jetzt nach unten abgedichtete Niedriglohnsektor weiter wuchs.

Daraus resultiert ein weiteres Problem, das besonders viele Arbeitnehmer und Soloselbstständige umtreibt: die zunehmende Altersarmut. Während die schwarz-gelbe Vorgängerregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts dagegen unternommen hatte, sorgte die Große Koalition erstmals seit 1972 wieder für Leistungssteigerungen in der Rentenpolitik: Ein „großes Rentenpaket“ stand am Anfang, ein „kleines“ am Ende der 18. Legislaturperiode. Die beiden Hauptziele der Lebensstandardsicherung und der wirksamen Armutsbekämpfung wurden aber gleichermaßen verfehlt.

Im Video: Anwalt verspricht: Mit einem Trick schützen Sie sich vor Mietsteigerungen

Auch die von CDU/CSU und SPD eingeführte Mietpreisbremse greift nicht, sondern hinterlässt allerhöchstens Schleifspuren auf den lokalen Wohnungsmärkten. Das am 1. Juni 2015 in Kraft getretene Gesetzermöglicht es den Bundesländern, folgende Regelung in Gebieten mit von ihnen als „angespannt“ klassifizierten Wohnungsmärkten fünf Jahre lang anzuwenden: Wohnungseigentümer dürfen bei einer Wiedervermietung nicht mehr als 10 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete nehmen. Die zahlreichen Ausnahmen (bei Neubauten, möblierten Wohnungen und umfassenden Modernisierungen) sowie die fehlenden Offenlegungspflichten, Kontrollmöglichkeiten und Sanktionen bei Verstößen machen die Mietpreisbremse jedoch zu einem weitgehend wirkungslosen Instrument der Kostendämpfung, das die Wohnungsnot der Haushalte mit niedrigen Einkommen kaum mildert.

Große Koalition hat in der Armutsbekämpfung versagt

Trotz einzelner sozialer Verbesserungen, die es manchen Niedriglöhnern und Kleinstrentnern erleichtern, über die Runden zu kommen, haben CDU, CSU und SPD im Kernbereich der Armutsbekämpfung versagt. Betrachtet man ihre Forderungen zur Sozial-, Beschäftigungs- und Rentenpolitik im Bundestagswahlkampf, werden auch kaum Hoffnungen auf eine Kurskorrektur wach.

Mit dem Slogan „Sozial ist, was Arbeit schafft“ feiert im gemeinsamen Regierungsprogramm von CDU und CSU für die nächste Wahlperiode gar eine höchst zweifelhafte Parole fröhliche Urständ: Vor der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933 verkündete Alfred Hugenberg, Vorsitzender der Deutschnationalen, Medienzar und Hitlers erster Wirtschaftsminister, in Zeitungsanzeigen: „Sozial ist, wer Arbeit schafft!“ 85 Jahre später haben die Unionsparteien den Satz nur leicht zu der Aussage „Sozial ist, was Arbeit schafft“ abgewandelt. Dabei handelt es sich im Grunde um eine reine Sklavenhalterideologie, die Lohnarbeit aus ihrem sozialen Rahmen herauslöst. Überhaupt nicht mehr gestellt wird die Frage nach deren Sinngehalt, nach den Arbeitsbedingungen und nach der Entlohnung, vom Anspruch der Stellenbewerber auf Berufs- und Qualifikationsschutz ganz zu schweigen.

Mit Vollbeschäftigung allein wäre keine soziale Gerechtigkeit erreicht

Selbst wenn CDU und CSU im Falle des Wahlerfolgs „bis spätestens 2025“ für Vollbeschäftigung, d.h. eine Quote der offiziell registrierten Arbeitslosigkeit unter 3 Prozent sorgen würden, wie sie es in ihrem Regierungsprogramm versprechen, wäre damit keineswegs soziale Gerechtigkeit erreicht. Erschreckend ist nämlich gerade, dass die Armut in Deutschland kontinuierlich wächst, obwohl die Arbeitslosigkeit seit Jahren abnimmt.

Offenbar glaubt die Union, den Wahlkampf ohne rentenpolitisches Konzept bestreiten zu können, weil auf diesem Politikfeld bis zum Jahr 2030 von der Bundesregierung gar keine weiteren Maßnahmen mehr ergriffen werden müssten. Dies zeigt ihre fortdauernde Ignoranz gegenüber dem Problem der Altersarmut. In dem „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ überschriebenen CDU/CSU-Regierungsprogramm ist zwar von dem Bemühen die Rede, „weiterhin Altersarmut zu vermeiden“, nicht aber von deren Bekämpfung, Verringerung und Beseitigung.

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Ungarn: Orban bittet EU für Grenzzaun zur Kasse - ein Ablenkungsmanöver?
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Der stacheldrahtbewehrte Zaun an Ungarns Südgrenzen ist umstritten. Trotzdem fordert Regierungschef Orban von der EU 440 Millionen Euro Bau- und Betriebskosten. Das mag irreal erscheinen. Innenpolitisch wird Ungarns starker Mann damit aber in jedem Fall punkten.

Das knapp anderthalbseitige Schreiben an den EU-Kommissionsvorsitzenden Jean-Claude Juncker kommt schnell zur Sache. Bau, Betrieb und Bewachung der ungarischen Sperranlagen an den Südgrenzen des Landes hätten bislang 880 Millionen Euro an ungarischen Steuermitteln verschlungen, schrieb Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban nach Brüssel. „Wir würden es als vernünftig erachten, die (...) Kosten zu gleichen Teilen aufzuteilen“, hieß es in dem Brief weiter. Die Sicherung der Grenze „gegen die Flut illegaler Migranten“, so Orban, würde nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa schützen. Und überhaupt müsse die europäische Solidarität auch beim Grenzschutz Anwendung finden.

Ungarn wehrt sich gegen Flüchtlingsverteilung - Entscheidung am Mittwoch

Das Schreiben, das der rechtsnationale Regierungschef am Donnerstag abschickte und am Freitag im Faksimile auf seiner Webseite veröffentlichte, stieß in Brüssel auf Befremden. „Wir finanzieren nicht den Bau von Zäunen an den Außengrenzen“, sagte ein Sprecher der Kommission am Freitag. Die von Orban angemahnte Solidarität sei jedoch „keine Einbahnstraße“. Man könne nicht Unterstützung für die Grenzsicherung fordern und gleichzeitig gemeinsam getroffene Entscheidungen zur Flüchtlingsverteilung zurückweisen.

Gemäß der EU-Beschlüsse von 2015 über die Verteilung von 120 000 Asylbewerbern auf die EU-Mitgliedsländer sollte Ungarn 1300 Menschen aufnehmen. Das Donauland weigert sich beharrlich, dieser Verpflichtung nachzukommen. Gemeinsam mit der Slowakei hat es einen Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof (EUGH) in Luxemburg angestrengt, um die EU-Beschlüsse für nichtig erklären zu lassen. Am kommenden Mittwoch soll das EUGH über die Klage entscheiden. Nachdem bereits ein wichtiger Gutachter für ihre Unhaltbarkeit plädiert hat, ist damit zu rechnen, dass sie abgewiesen wird. 

Ist Orbans Forderung nur ein „PR-Bluff“, um von Mittwoch abzulenken?

Kritiker halten Orbans Vorstoß mit der 440-Millionen-Euro-Forderung für ein Manöver, um von der drohenden Niederlage in Luxemburg abzulenken. Der sozialistische Europaabgeordnete Istvan Ujhelyi bezeichnete den Brief am Freitag als „billige Provokation“ und „PR-Bluff“. „Wie auch immer die Antwort Brüssels ausfällt, Orban wird das für seine innenpolitischen Spielchen nutzen.“

Tatsächlich ist die Wirksamkeit der teuren Sperranlagen an den Grenzen Ungarns zu Serbien und Kroatien umstritten. Errichtet wurden sie im Herbst 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswanderungen von Nahost nach West- und Nordeuropa. Später sank die Zahl der Migranten auf der so genannten Balkanroute, die durch Ungarn führt, drastisch. Aber nicht wegen des ungarischen Grenzzauns. Vielmehr hatte der Deal, den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der Türkei eingefädelt hatte, dazu geführt, dass sich weit weniger Menschen überhaupt erst von der Türkei aus auf den Weg machten.

AfD unterstützt die Aktion

Zugleich ist aber der Zaun ein mächtiges Symbol, mit dem sich Orban in der ungarischen Innenpolitik die Diskurshoheit sichert. Das Narrativ vom „Bollwerk“ gegen die „muslimischen Invasoren“, die davon abgehalten werden, Europa erneut zu überrennen, kommt in der Bevölkerung gut an. Der Zaun mit seinen Stacheldrahtkronen und Sperrgittern lässt diese Erzählung physische Realität werden.

So ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland ausgerechnet die rechtspopulistische AfD Verständnis für Orbans Geldforderung an die EU erkennen ließ. „Mit der ungarischen Grenzsicherung hat Orban eine wichtige Funktion für Deutschland erfüllt“, erklärte das AfD-Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski am Freitag in Berlin. Faktisch mache der Ungar die Arbeit, die die europäische Grenzschutzagentur Frontex verrichten sollte. „Dass er nun eine Rechnung nach Brüssel schickt, ist durchaus nachvollziehbar.“

Im Video: "Im Interesse der Demokratie" - Forderung nach mehr Einbürgerungen: Migrationsforscher weisen auf Gefahren hin

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Bundesanwaltschaft ermittelt - Türkischer Geheimdienst MIT späht 173 Personen in NRW aus

Bundesanwaltschaft ermittelt: Türkischer Geheimdienst MIT späht 173 Personen in NRW aus
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Die Spionageaktionen des türkischen Geheimdienstes MIT in Deutschland laufen unverändert weiter. Allein in Nordrhein-Westfalen stehen 173 Personen und 40 Vereine und Institutionen unter Beobachtung. Laut dem Innenministerium des Landes stammen die besorgniserregenden Erkenntnisse aus vier Listen, die türkische Behörden zwischen März und Juli an die deutschen Stellen übermittelt hatten.

In den genannten Dokumenten sollen Verdächtige gelistet sein, die zur der oppositionellen Gülen-Bewegung gehören. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Berivan Aymaz (Grüne) hervor. Die konservativ-islamische Vereinigung unter ihrem in den USA lebenden Führer Fethullah Gülen wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verantwortlich gemacht. Das Regime nutzte den Militäraufstand dazu, die Türkei mit einer enormen Verhaftungswelle zu überziehen und die Machtbefugnisse des Staatsoberhaupts hin zu einer autokratischen Herrschaft auszuweiten.

Die Repressalien richten sich gegen Teile der Justiz, des Militärs und des Staatsapparats sowie gegen regimekritische Journalisten. So sitzt der deutsche Korrespondent der Zeitung „Die Welt“, Deniz Yücel, seit 200 Tagen wegen absurder Vorwürfe in türkischer Haft. Auch heute ließ Erdogan zwei Deutsche wegen politischer Vorwürfe verhaften. Damit erhöht sich die Zahl politischer, deutscher Gefangener in der Türkei auf ein Dutzend.

Verhaftungen, Nazi-Vergleiche, Wahl-Boykott: Erdogan gibt weiterhin den Krawallmacher

Auch im Ausland lebende Dissidenten werden unter fadenscheinigen Anschuldigungen gejagt. Zuletzt ließ Ankara den Kölner Schriftsteller Dogan Akhanlı in Spanien festsetzen. Nach Intervention der deutschen Regierung kam der Autor wieder frei.

Der Fall macht nochmals klar, wie sehr das deutsch-türkische Verhältnis beschädigt ist. Nazi-Vergleiche, Beschimpfungen, der Aufruf an die hiesige deutsch-türkische Gemeinschaft, die etablierten Parteien nicht zu wählen – befeuert durch eine in größeren Teilen gleichgeschaltete Medienlandschaft gibt der türkische Präsident den Krawallmacher.

Wer nicht für den türkischen Präsidenten ist, ist schnell verdächtig

Wer nicht für ihn ist, so scheint es, gerät derzeit schnell in Verdacht, ein Anhänger der verfolgten Gülen-Bewegung oder kurdischer Extremisten zu sein.

Bereits seit einiger Zeit ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen mutmaßlicher Spionageaktivitäten im bundesweiten Dachverband der türkischen Moscheegemeinden (Ditib). Imame des Verbandes sollen im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet Informationen über mutmaßliche Gülen-Anhänger nach Ankara übermittelt haben. Inzwischen haben die Karlsruher Ankläger auch wegen der Verdächtigen-Listen aus der Türkei ein Spionage-Verfahren eingeleitet.

Im Video: Fürchten Zorn von Erdogan: Hochrangige Polizeibeamte suchen Asyl in Deutschland

NRW-Bericht: Türkei spioniert systematisch an Rhein und Ruhr

Bei der Verfolgung der Opposition im Ausland spielt vor allem der türkische Geheimdienst MIT eine tragende Rolle. Wie weit sein Arm reicht, steht in der Stellungnahme des NRW-Innenministeriums: „Umfang und Inhalt der Listen belegen, dass der MIT systematisch Informationen über mutmaßliche Gülen-Anhänger zusammenträgt, die Angaben sind jedoch nicht immer vollständig und zum Teil auch veraltet. Die Landesregierung befürchtet, dass der MIT die in den Listen aufgeführten Personen und Vereine / Institutionen und weitere Personen und Organisationen weiterhin ausspäht.“

Dazu zählen offenbar auch zahlreichen Unternehmen an Rhein und Ruhr. Gleich 681 Firmen hatten in der Fahndungsliste aufgenommen, die den Deutschen übersandt wurde. Diese Betriebe sollen in Terrorfinanzierung gegen die Türkei eingebunden gewesen sein. Zwischenzeitlich aber, berichtete das NRW-Innenministerium, sei das Papier von der türkischen Regierung zurückgezogen worden. Und zwar mit der Begründung, es handele sich um ein Missverständnis.

Innenminister Reul: "Türkischer Geheimdienst wird hier keine Menschen angreifen"

Die Grünen-Abgeordnete Aymaz wirft der NRW-Landesregierung einen laxen Umgang mit der Situation vor: So habe man sich „mit der sehr unterschiedlichen Gefährdungslage der Menschen mit Türkeibezug in NRW... nicht hinreichend befasst“. Zugleich bemängelte die Parlamentarierin, „dass die Landesregierung anscheinend keine eigenen Recherchen über die Daten des MIT hinaus angestellt hat und bislang noch nicht einmal in Erfahrung bringen konnte, wie viele der betroffenen Personen über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen“.

Was uns Mut macht

Die Sorge um Deniz Yücel ist groß: Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit mehr als 200 Tagen in der Türkei in Haft, ohne dass ihm bisher der Prozess gemacht wurde. Er wird von den anderen Häftlingen isoliert – aber er kann sich Briefe zustellen lassen. Wie die „Welt“ mitteilt, werden auf Türkisch verfasste Briefe möglicherweise eher zugelassen. Deswegen bietet die Zeitung an, auf Deutsch geschriebene Briefe ins Türkische zu übersetzen und sie Yücel zu schicken. Wer sich dafür interessiert, kann eine E-Mail an schreibdeniz@weltn24.de schicken. Wer selbst Türkisch beherrscht, kann den Brief auch gleich selbst abschicken. Die Adresse lautet: İlker Deniz Yücel, 9 Nolu Kapalı Ceza İnfaz Kurumu, B Blok 54 Nolu Koğuş, Silivri/Türkei. Achtung: Yücels Kollegen bitten darum, keine Fotos oder Bücher mitzuschicken, weil der Journalist nur eine begrenzte Anzahl davon in seiner Zelle haben darf.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wies die Kritik zurück: „Die Sicherheitsbehörden hier im Land haben das vorbildlich gemacht und alle Bürger, die auf den Listen standen, gewarnt“, sagte der Unionspolitiker dem WDR.

Dass den Bespitzelten hier im Lande etwas passieren könnte, schloss der Minister aus. „Der türkische Geheimdienst wird hier keine Menschen angreifen.“ Die türkischen Mitbürger, die auf den Listen ständen und hier in Deutschland weiter lebten, seien gewarnt. „Unsere Sicherheitsdienste werden auf die Menschen, Vorgänge und Institutionen einen ganz anderen Blick haben als vorher.“

Im Video: „Wölfin“ will gegen Erdogan antreten - wenn sie nicht vorher im Gefängnis landet

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FOCUS-Titel - Die neue Energie-Formel

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Das perfekte Training für die zweite Lebenshälfte! FOCUS erklärt, warum es nie zu spät ist, mit einem Fitness-Programm zu beginnen. Plus: 40-Punkte-Plan für mehr Power

Es hilft ja nichts. Wir werden alle älter. Das entschuldigt aber nicht, den eigenen Energie-Haushalt komplett abzuwirtschaften. In den meist stressigsten Phasen des Lebens, wenn Karriereaufbau und Familiengründung zusammenfallen, finden viele zu wenig Zeit, auf ihren Körper zu achten.

Doch selbst wer erst in den mittleren Jahren (wieder) einsteigt, kann das Steuer noch herumreißen. Eine Studie aus Norwegen zeigt, dass Menschen, die erst mit 40, 50 oder 60 Jahren ein Fitness-Programm starten, ihr Risiko eines Schlaganfalls um mehr als die Hälfte senken.

Fitness besteht allerdings nicht nur aus ein wenig Rad fahren: Das zeigt die aktuelle FOCUS-Titelgeschichte. Zwar sind Vorsorgemediziner schon froh, wenn die Menschen wenigstens zehn Minuten am Tag einen etwas flotteren Spaziergang hinlegen. Aber mehr bringt auch mehr. Die Art des Sports, die Essgewohnheiten und der Lebensstil zwischen gutem und bösem Stress spielen eine große Rolle. Mit mehreren Experten hat FOCUS eine 40-Punkte-Energieformel für die zweite Lebenshälfte ausgearbeitet.

Ausdauersport zum Beispiel reicht nicht. Es gehört auch ein gewisser Anteil Muskeltraining dazu. In die Bewegung sollte man anstrengende Phasen einbauen. Und wie wäre es, einen Tanzkurs zu besuchen? Damit lässt sich die Koordinationsfähigkeit besser üben als mit vielen anderen Aktivitäten.

Beim Essen muss man doppelt aufpassen. Mit den Jahren verlangsamt sich der Stoffwechsel, der Kalorienbedarf geht zurück. Intervall-Fasten ist eine sanfte Methode, den eigenen Körper daran zu gewöhnen.

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Dennoch, so weiß FOCUS-Experte Michael Despeghel, lässt sich auch der Mensch jenseits der 40 nicht zum Rund-um-die-Uhr-Gesundheitsapostel umpolen. Deshalb empfiehlt er: Vier Tage pro Woche ausreichend bewegen, viel Obst und Gemüse essen und gut schlafen, „an den anderen drei Tagen hat man dann gleichsam frei“.
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FOCUS-Leserdebatte - Hat Guttenberg eine zweite Chance verdient?

FOCUS-Leserdebatte: Hat Guttenberg eine zweite Chance verdient?
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Freitag, 01.09.2017, 17:50

Es war eine triumphale Rückkehr. Wie zu besten Zeiten begeisterte Karl-Theodor zu Guttenberg seine Anhänger bei seinem ersten CSU-Wahlkampfauftritt in Kulmbach. Stehende Ovationen.

Der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister zog alle Register: selbstironisch, eloquent, charmant, charismatisch.

„KT“ zeigte sich geläutert: Gestolpert über eine abgeschriebene Doktorarbeit? Genug geprügelt dafür. Jetzt muss es „auch wieder mal gut sein“.

Er selbst gibt sich bescheiden, Seehofer will ihn

Dafür gab der Freiherr den Außenpolitiker und Weltversteher. Arbeitete sich an Trump ab, dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un als „Dickmops mit dem lustigen Haarschnitt“, an Venezuela und der Türkei.

Seine Fans sind überzeugt: Er ist wieder da. Für sie ist die Rückkehr in die große Politik bereits beschlossene Sache. Und zwar wieder ganz nach oben, klar.

Der frühere Shooting-Star der CSU dagegen übt sich noch in Demut. So richtig lechze er nicht nach einem politischen Comeback. Aber, wenn er gerufen würde, dann, ja dann, wäre er wohl bereit.

Sein Förderer, CSU-Chef Horst Seehofer, drängt schon lange, allein, um Markus Söder den Weg an die Spitze zu verbauen.

Ihre Meinung ist gefragt!

Was meinen Sie? Hat Karl-Theodor zu Guttenberg eine zweite Chance verdient? Soll er zurückkehren auf die Regierungsbank in Berlin? Und, auf welchem Posten sehen Sie ihn?

Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns Ihre Meinung. Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Text oder mailen Sie an debatte@focus-magazin.de. Die interessantesten Beiträge druckt FOCUS in seiner nächsten Ausgabe auf den Leserseiten ab. Wichtige Bedingung: Sie schreiben unter Ihrem echten Namen.

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