Der vormals für die Jagd auf den im Jahr 2011 getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zuständige CIA-Agent leitet laut einem Zeitungsbericht inzwischen die Operationen des US-Geheimdienstes im Iran. Dies sei ein weiteres Anzeichen dafür, dass Präsident Donald Trump einen verschärften Kurs gegenüber dem Iran einschlage, berichtete am Freitag die „New York Times“.
Von der Ernennung des Agenten Michael D‘Andrea auf den Iran-Posten erfuhr das Blatt nach eigenen Angaben aus Geheimdienstkreisen. Die CIA wollte den Bericht nicht kommentieren. Laut „New York Times“ verwies der Auslandsgeheimdienst darauf, dass er die Identität von im Verborgenen operierenden Agenten nicht preisgebe.
Die Ernennung D’Andreas sei Teil von Umstrukturierungen innerhalb der CIA, die die Trump-Regierung angestoßen hat. Iran sei dabei eine besonders harte Nuss : Da die USA keine Botschaft in der islamischen Republik unterhalten, habe es auch der US-Geheimdienst schwer, Zugang zu bekommen. Außerdem habe die iranische Spionageabwehr jahrzehntelange Erfahrung.
Der „Dunkle Prinz“ im Antiterrorkampf
D'Andrea, der um die 60 Jahre alt ist, leitete dem Bericht zufolge früher das Anti-Terrorismus-Zentrum der CIA und war in dieser Funktion für die Jagd auf Bin Laden verantwortlich. Der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida wurde in einem Versteck in Pakistan von einem US-Sonderkommando getötet.
Unter Präsident Barack Obama leitete D‘Andrea laut „New York Times“ auch die hochumstrittenen Drohnen-Einsätze zur Tötung von islamistischen Extremisten. Bei diesen Angriffen wurden auch zahlreiche unbeteiligte Zivilisten getötet. D’Andrea brachte das innerhalb der CIA Spitznamen wie „Dunkler Prinz“ und „Ajatollah Mike“ ein.
Nachdem bei einer dieser Drohnen-Attacken im Jahr 2015 in einem Haus in Pakistan versehentlich zwei Geiseln aus den USA und Italien getötet worden waren, hatte die „New York Times“ die Identität D‘Andreas enthüllt.
Iran als „Terrorstaat Nummer eins“
Einige Monate danach wurde er laut Medienberichten auf einen anderen Posten versetzt, auf dem er dafür zuständig war, die Effektivität verdeckter Operationen zu überprüfen. D‘Andrea ist laut „New York Times“ mit einer Muslimin verheiratet, die er während eines Auslandseinsatzes kennenlernte. Wegen seiner Frau sei er zum Islam konvertiert, praktiziere die Religion jedoch kaum.
Präsident Trump hatte den Iran im Wahlkampf wiederholt als „Terrorstaat Nummer eins“ bezeichnet und eine Revision des Atom-Deals angekündigt, bei dem der Iran auf sein Atomprogramm verzichtet und im Gegenzug die internationalen Sanktionen gelockert werden. Diese Drohung hat Trump bisher nicht wahrgemacht, doch das Verhältnis zwischen den USA und Iran hat sich wieder abgekühlt.
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