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Monday, July 31, 2017

Auswertung von Statistiken - Wo sind die Geflohenen, wieviele wollten 2017 Asyl: die europäische Flüchtlingskarte

Auswertung von Statistiken : Wo sind die Geflohenen, wieviele wollten 2017 Asyl: die europäische Flüchtlingskarte
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Noch nie waren auf der Welt so viele Menschen entwurzelt. Laut des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) befanden sich Ende des vergangenen Jahres 65,5 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, 300.000 mehr als im Jahr davor. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan und dem Südsudan.

Und auch in diesem Jahr ist kein Ende der weltweiten Flüchtlingskrise in Sicht. Aus europäischer Perspektive zeigt sich dies insbesondere im Mittelmeer, über das seit Jahresbeginn mehr als 90.000 Menschen nach Italien geflohen sind.

Viele Deutsche sorgen sich vor einer Wiederholung der Ausnahme-Situation im Jahr 2015. Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov schätzt knapp die Hälfte der Befragten, dass sich der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland ähnlich wie 2015 erneut krisenhaft zuspitzen wird. Doch ist das realistisch?

Diese Probleme machen Sorgen:

Tatsächlichkommt Europa bei vielen Migrations-Themen nicht voran. So herrscht im Kreis der EU-Staaten immer noch Stillstand bei der Diskussion über eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge, die Ankunftsstaaten wie Italien und Griechenland spürbar entlasten würde. Und auch beim Umgang mit Libyen, dem Haupttransitland vieler Flüchtlinge, ist noch keine wegweisende Strategie in Sicht. Zudem bleiben die wichtigsten Ursachen dafür, dass viele Menschen ihr Heimatland überhaupt verlassen, weiter bestehen: So etwa tobt in Syrien der Krieg immer noch, Afghanistan wird von Terroranschlägen erschüttert, die wirtschaftliche Not vieler Menschen in Afrika ist nach wie vor groß.

Diese Zahlen stimmen zuversichtlich:

Die Situation in Deutschland hat sich deutlich entspannt, seit die Balkanroute geschlossen und ein EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei geschlossen wurde. Im ersten Halbjahr dieses Jahres nahm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 101.029 Erstanträge entgegen, mit Folgeanträgen waren es 111.616. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (396.947 Asylanträge) bedeutet dies einen Rückgang um 71,9 Prozent. EU-weit sank die Zahl laut Frontex im ersten Halbjahr um 68 Prozent.

Die Flüchtlingslage in und um Europa:

In welchen Ländern in und um Europa herum halten sich diese Flüchtlinge nun tatsächlich auf, wie viele Asylbewerber sind im ersten Halbjahr dazugekommen und wie ist die Lage in wichtigen Aufnahme-und Transitländern? FOCUS Online hat Statistiken diverser Organisationen ausgewertet und gibt einen Überblick.

Deutschland:

Gesamtzahl der Ende 2016 im Land lebenden Flüchtlinge (inkl. Binnenflüchtlinge) und Asylbewerber (UNHCR-Definition): 1.268.845

Gesamtzahl der Asylanträge (Erst und Folgeanträge laut Eurostat) im ersten Halbjahr 2017: 111.616

Italien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Stand Ende 2016: 247.992,

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 59.115 (insgesamt über 93.000 Flüchtlinge)

Italien spürt derzeit innerhalb der EU die Auswirkungen der weltweiten Fluchtbewegungen am stärksten. An italienischen Häfen sind in diesem Jahr bereits mehr als 93.000 Schutzsuchende angekommen, im vergangenen Jahr waren es noch rund 86.000 insgesamt. Italien will weder EU-Regeln verletzen noch seine humanitäre Haltung aufgeben, fühlt sich mit der Lage aber überfordert und verlangt seit langem mehr Hilfe der EU-Partner. Hilfsorganisationen warnen, dass das nationale Aufnahmesystem über kurz oder lang überlastet sein wird. Insgesamt haben derzeit die meisten Migranten, die in Italien ankommen, laut Europäischem Unterstützungsbüro für Asylfragen keine Aussicht auf Asyl. Um Italien zu entlasten, gibt es den Umverteilungsmechanismus der EU, für den Migranten mit guten Asylaussichten in Frage kommen. Darüber nahm Deutschland seit Beginn des Programms 2015 3.026 Asylsuchende aus Italien auf.

Im Video: Nochmal Chaos wie 2015? - Deutsche rechnen mit neuer Flüchtlingskrise

Balkan:

Der Balkan war auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 und Anfang 2016 das Haupttransitgebiet für Flüchtlinge in Richtung EU und letztlich Deutschland. So gelangten noch im ersten Quartal 2016 laut Frontex mehr als 200.000 Zufluchtsuchende illegal aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, dem Kosovo, Albanien und Mazedonien in die EU.  Doch da die Staaten entlang der Balkanroute ihre Grenzen schlossen und durch den EU-Türkei-Deal immer weniger Flüchtlinge über die Türkeinach Griechenland kommen, versiegte dieser Strom. Einer aktuellen Studie von Frontex zufolge waren es im ersten Quartal 2017 nur noch 7000 Schutzsuchende. Dies sei der normale Wert für die Jahreszeit und ein weiteres Indiz für die sich abschwächenden Migration in der Region.

Allerdings erhöht sich laut Frontex der Druck auf die Grenzen zwischen Serbien und seinen EU-Nachbarstaaten Rumänien und Kroatien. Denn da Ungarn seine Maßnahmen an der Grenze zu Serbien weiter verschärft hat, suchen sich viele der rund 7000 Flüchtlinge andere Wege, um Serbien zu verlassen.   

Türkei:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 3.116.156,  

Stand Juli 2017: 3,4 Millionen (davon 3.079.914 Syrer)

Die Türkei war 2016 laut UNHCR zum dritten Jahr in Folge das Land, in welchem weltweit die meisten Flüchtlinge lebten. Fast alle stammen aus Syrien. Sie genießen dort laut UNHCR pauschal als Gruppe Schutz.  Die Türkei spielt aber nicht nur als Aufnahmeland eine wesentliche Rolle. Denn die EU hatte am 20. März 2016 ein Abkommen mit der Regierung von Präsident Erdogan unterzeichnet, mit welchem die Türkei quasi zum Flüchtlings-Bollwerk wurde. Der Kern des Deals: Die EU darf alle Schutzsuchenden, die illegal auf die griechischen Inseln übergesetzt sind, in die Türkei zurückschicken. Für jeden zurückgeschickten Syrer darf im Gegenzug ein anderer Syrer aus der Türkei legal und direkt in die EU einreisen. So ist es gelungen, die Zahl der Flüchtlinge drastisch zu reduzieren, die Zahl der Toten auch. Trotzdem gibt es viel Kritik an dem Abkommen.  Ein Vorwurf lautet: Die EU macht sich mit dem Deal abhängig von dem zunehmend autokratisch und undemokratisch agierenden Regierung von Erdogan. Zudem sind die tatsächlichen Austausch-Zahlen gering.

Eine Sache, die uns Mut macht

Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik haben einen Ansatz der EU zur Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten gelobt. Im Rahmen des Khartum-Prozesses will die EU die Fluchtursachen in Ostafrika und am Horn von Afrika reduzieren. Ein Element hierfür ist das im April 2016 für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren eingerichtete Programm „Better Migration Management“. Viele der Aktivitäten tragen dazu bei, dass die Versorgung von Flüchtlingen und Migranten gesichert werden oder deren Rechte gestärkt werden sollen, so das Urteil der SWP. Einige Beispiele des Programms:

  • Dschibuti: mobile Teams zur Gesundheitsversorgung von schutzbedürftigen Flüchtlingen und Migranten
  • Äthiopien: Planung eines sicheren Hauses für minderjährige Opfer von Menschenhandel
  • Eritrea: Aus- und Weiterbildung von Ermittlern, Staatsanwälten und Richtern zur Verfolgung von Menschenhandel
  • Sudan: Untersuchung des rechtlichen Reformbedarfs
  • Kenia: Ausbildung von Verwaltungsmitarbeitern

Libyen: 

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 662,897

Mai 2017: 633.840

Das instabile Libyen ist das Haupttransitland für Flüchtlinge, die über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa gelangen, insbesondere Italien. Vor allem Menschen aus dem südlichen Teil Afrikas treten von Libyen aus die gefährliche Überfahrt an. Allerdings bilden auch die Binnenflüchtlinge, (IDPs, internaly displaced Persons) eine große Gruppe: Rund 240.000 Libyer sind laut IOM in ihrem eigenen Land auf der Flucht.

Der Grund: Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi existieren kaum staatliche Strukturen, weite Teile des Landes werden von bewaffneten Milizen kontrolliert. Niemand stoppt die Schlepperbanden, die meist seeuntaugliche Flüchtlingsboote auf die gefährliche Fahrt nach Europa schicken. Die EU geht zwar im Rahmen der EU-Marine-Mission "Sophia" gegen die Schleuser vor, aber konnte den Strom bisher nicht stoppen. Deshalb wird von der EU unter anderem erwägt, enger mit der libyschen Küstenwache zusammenzuarbeiten. Die Situation der Flüchtlinge in dem Land wird immer wieder als dramatisch beschrieben, deutsche Diplomaten sprachen von KZ-ähnliche Verhältnisse“, Exekutionen, Folter und Vergewaltigungen sind demnach an der Tagesordnung.

Im Video: EuGH schickt Denkzettel an Europas Migrationsgegner – die reagieren prompt

Weitere europäische Länder:

Österreich:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 170.596

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 10510

Ungarn:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 8.296

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 1975

Polen:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 26.003

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 2525

Schweiz:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 113.547

Griechenland:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 86.611

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 19.570 (nur bis April)

Serbien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 259

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017:  301

Kroatien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 18.296

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 240 (nur bis April)

Slowenien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 785

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 445

Rumänien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 3.228

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 1300

Bulgarien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 33.923

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: 1830

Zypern:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 17.572

Asylanträge im ersten Halbjahr 2017: (nur bis April): 1365

Nicht-europäische Länder

Libanon:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 1.031.303

Jordanien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 720.812

Ägypten:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 263.426

Tunesien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 685

Marokko:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 6.733

Algerien:

Flüchtlinge und Asylbewerber Ende 2016: 99.949

Im Video: „Füllt sich mit Flüchtlingsangst Taschen“: Linkes Blatt attackiert Grünen-OB Palmer

mta/mit Agenturmaterial
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