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Thursday, August 31, 2017

DRK-Personen-Suchdienst - Auf Flucht getrennt: So versuchen Helfer, Flüchtlingsfamilien wieder zu vereinen

DRK-Personen-Suchdienst: Auf Flucht getrennt: So versuchen Helfer, Flüchtlingsfamilien wieder zu vereinen
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Hamed Jafari* war noch ein Kind, als er aus Afghanistan floh. Im September 2015 kam er nach Deutschland - allein, ohne seine Eltern. Sein Fall zeigt, wie dramatisch die Geschichten von Flüchtlingen sind, die Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben.

Das Drama begann an einem Abend im März 2015 an der Grenze zwischen Afghanistan und Iran. Hinter Hamed, seinen beiden Eltern und drei Geschwistern lag gerade eine strapaziöse und gefährliche Fahrt auf einem Lkw von der afghanischen Hauptstadt Kabul. Doch dann kam es zu einer Schießerei, bei der der Junge seine Eltern aus den Augen verlor. Der damals 14-Jährige reiste schließlich allein nach Deutschland weiter.

Viele Migranten haben auf der Flucht vor Krieg und Elend den Kontakt zu ihren Familienangehörigen verloren. Eine Möglichkeit für diejenigen, die nach Deutschland kamen, ist der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Rund 2800 Suchanfragen verzeichnete der DRK-Suchdienst im Jahr 2016, so viele wie noch nie. Und auch in diesem Jahr werden ähnliche viele Suchanfragen erwartet.

"Zum DRK-Suchdienst kommen nur die ganz hoffnungslosen Fälle"

„Zum Suchdienst des DRK kommen nur die ganz hoffnungslosen Fälle“, sagt Susanne Pohl, Sprecherin des DRK, zu FOCUS Online. „Menschen, die aus ihrer Heimat vor Monaten oder Jahren geflüchtet sind und jeden Kontakt zu ihrer Familie verloren haben, weil die Angehörigen keine Handys oder Zugang zum Internet haben.“

Das Prinzip, nach dem der Suchdienst funktioniert, der auch mit der Datenbank "Trace the Face" ("Finde das Gesicht") vom Roten Kreuz kooperiert, ist einfach: Eine Person, die den Kontakt zur Familie - oder umgekehrt - verloren hat, lässt ein Foto von sich machen, das auf dem passwortgeschützten Internetportal des DRK veröffentlicht wird. In das Foto wird eine Sprechblase montiert, auf der zum Beispiel steht: "Ich heiße Hamed und suche meinen Vater".

Als 14-Jähriger ohne Eltern von Iran nach Deutschland

Hamed, inzwischen 16 Jahre alt, lebt heute in einer betreuten Jugend-WG in München und geht dort zur Schule. Seine Odyssee hatte begonnen, als er sich nach der Schießerei an der afghanisch-iranischen Grenze allein auf den Weg in den Iran machte. Er reiste zu Verwandten, bei denen er sich mit seiner Eltern und Geschwistern treffen wollte.

Doch die Familie sei dort nicht angekommen, berichtet Susanne Pohl weiter. Der Junge habe sich dann allein mit einer anderen Gruppe auf den Weg gemacht, die nach Deutschland wollten. „Schlepper hatten die Gruppe in einen Minibus gepackt. Dann ging es per Auto, zu Fuß und mit einem Boot weiter bis nach Griechenland. Und anschließend durch den Balkan bis nach Deutschland.“

Im Video: Ungarn kassiert immer noch EU-Zuschüsse für Flüchtlinge – obwohl es keine aufnimmt

„Ich dachte, es gibt sie nicht mehr, niemand wusste etwas“

Alle Versuche, seine Familie ausfindig zu machen, scheiterten jedoch – auch über die Verwandten im Iran. Einem DRK-Helfer in München erzählte Hamed, wie verzweifelt er war. „Er sagte: 'Ich hatte mit meiner Familie abgeschlossen. Irgendwie dachte ich, es gibt sie nicht mehr. Niemand wusste etwas. Niemand hatte was gehört'.“

Der Vormund, der Hamed vom Münchner Kreisjugendamt zugeteilt wurde, erzählte dem Jungen aus Kabul dann von der Möglichkeit, seine Familie über den DRK-Suchdienst aufzuspüren. Doch erst, nachdem der junge Afghane ein Bild von sich selbst auf die Seite von „Trace the Face“ stellte, wurde er fündig. Sein Vater sah Hameds Bild vor einigen Monaten auf der internationalen Seite des Roten Kreuzes und hinterließ dort Namen und eine iranische Telefonnummer.

Tränen im Büro des Münchner DRK-Suchdienstes

Hamed wurde zum Büro des DRK-Suchdiensts in München gebracht. Von dort wählte eine Suchdienst-Mitarbeiterin die Nummer, die Hameds Vater angegeben hatte. „Wir hatten die Lautsprecherfunktion angestellt. Die Szene war unglaublich bewegend. ‚Hallo‘, antwortete eine Männerstimme. ‚Hallo, hier ist Hamed.‘ Er hat die Stimme seines Vaters sofort erkannt. Bei diesem ersten Telefonat gab es nicht viel mehr als Tränen des Glücks bei Vater und Sohn.“

Der DRK-Suchdienst

Wer nach Personen sucht, die nach Deutschland geflohen sind oder Familienangehörige finden will, die vielleicht in Deutschland nach jemandem suchen, kann sich an den Suchdienst der Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wenden. Am einfachsten ist dies über die Homepage des DRK-Suchdienstes möglich, wo man alle nötigen Informationen und auch die Formulare findet, die für die Suche ausgefüllt werden müssen. Das Portal gibt es auch in englischer und russischer Sprache. Ebenso gibt es Links zu weiteren Suchdiensten des Internationalen Roten Kreuzes.

 

Geringe Aufklärungsquote, viele Probleme

So viel Glück wie Hamed haben nicht viele, die Aufklärungsquote ist bei Flüchtlingen sehr gering. Nur bei rund 60 Personen glückte die Zusammenführung über den Suchdienst ­– seit 2013. Ein großes Problem über die Suchdienste der nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sei zum Beispiel die Transkription der Namen ins Deutsche, erklärt die DRK-Sprecherin. "Vom Namen Mohamed existieren über 70 verschiedene Schreibweisen. Außerdem werden in vielen Ländern auch die Geburtsdaten nicht registriert. Ein Datenabgleich sei da schwierig. In solchen Fällen kann die internationale Bilddatenbank 'Trace the face' sehr hilfreich sein."

Und selbst, wenn Foto und Daten veröffentlicht sind, müssten die Familienmitglieder erst einmal erfahren, dass es den Suchdienst gebe. Was noch komplizierter ist für Menschen, die weder Computer, Handy noch Internetanschluss haben.

Wie Hameds Zukunft aussieht, ist derzeit noch ungewiss. Über seinen Asylantrag sei noch nicht entschieden worden, sagt Pohl. Doch stünden die Aussichten gut, dass er bleiben und sogar eine Lehre beginnen könne. „Seine Familie ist in Teheran, sie sind nicht nach Afghanistan zurückgekehrt“, sagt Susanne Pohl. „Und natürlich hofft Hamed, dass er sie bald wiedersehen kann.“

*Name von der Redaktion geändert.

Im Video: De Maizière: Per Schlepper eingereisten Flüchtlingen den EU-Aufenthalt verweigern

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