
Die älteste Partei Deutschlands ist seit der Wahl so unsicher wie ein kleines Kind, welches bei dieser Kälte zum ersten Mal einen zugefrorenen See betritt.
Jüngster Beweis: Die SPD-Führung will ihre Minister für die geplante große Koalition erst am 12. März benennen, berichtete die "Rhein-Neckar-Zeitung" Wenige Tage danach soll Angela Merkel erneut zur Kanzlerin gewählt werden. Durch die Bekanntgabe zu dem späten Zeitpunkt wolle die designierte Parteichefin Andrea Nahles verhindern, dass ihr Personaltableau eine Woche lang "zerredet wird".
Der Hintergrund ist klar: Ex-Parteichef Martin Schulz wollte erst nicht, dann doch Minister werden und hatte damit seine Partei an den Rand einer Revolte geführt. Zudem steckt das ungeklärte Schicksal von Sigmar Gabriel seit Wochen wie ein Stachel im Fleisch der SPD. Kurzum: Für Personalfragen fehlt den Genossen bis auf Weiteres der Mut.
Im Video: Müssen als Team funktionieren“: Mit einem Satz deutet Nahles Gabriels Minister-Aus an
SPD tappt in die Schulz-Falle
Statt aus Fehlern der Schulz-Ära zu lernen, tappt die Partei aber wieder in die selbe Falle. Denn sie zeigt damit, dass sie nicht zu ihren eigenen Entscheidungen steht. Die Spitze traut ihren eigenen Leuten noch nicht einmal zu, eine Woche möglicher öffentlicher Kritik auszuhalten. Das ist ein Armutszeugnis für die SPD und ein Misstrauensbeweis gegenüber den möglichen Kandidaten.
App-Nutzer klicken bitte hier, um zur Umfrage zu gelangen.
Damit ist die Tür geöffnet für Indiskretionen und Intrigen. Denn die Minister-Liste der SPD wird durchsickern, bevor die Spitze diese offiziell macht. Das wirkt allemal schlechter, als wenn die Partei ihre Leute früh und mit durchgedrücktem Rücken selbst präsentiert.
Hier den Politik-Newsletter abonnieren
Berichte, Videos, Hintergründe: FOCUS Online versorgt Sie täglich mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Politik-Ressort. Hier können Sie den Newsletter ganz einfach und kostenlos abonnieren.
Vor allem wird die Partei dadurch auch nicht vermeiden können, dass es Kritik an der Personalauswahl gibt. Die wird kommen, egal wann die Ministerriege der Genossen feststeht. Wie man mit einer offensiven Präsentation und einem mutigen Personaltableau viele Kritiker mundtot machen kann, zeigte ausgerechnet der wahrscheinliche Koalitionspartner: So will Angela Merkel mit Jens Spahn einen ihrer größten innerparteilichen Kritiker zum Minister machen und nimmt damit den Konservativen in der Partei viel Wind. Ob Nahles sich so einen Coup auch traut, wird sich hoffentlich bald nach dem SPD-Mitgliederentscheid zeigen.
No comments:
Post a Comment