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Tuesday, April 3, 2018

Minister will Pfleger aus Ausland - Wissenschaftler kontert Spahn: Deutsche Pflege international "nicht konkurrenzfähig"

Minister will Pfleger aus Ausland: Wissenschaftler kontert Spahn: Deutsche Pflege international "nicht konkurrenzfähig"
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Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte kann nach Meinung von Pflegewissenschaftlern nur ein kleiner Baustein zur Behebung des Personalnotstands in der Pflege sein. Die Anwerbung solcher Fachkräfte sei aufwendig und teuer, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), Michael Isfort, am Dienstag.

"Es ist ungeheuer kompliziert, Pflegekräfte im Ausland zu finden, sie in das deutsche Pflegesystem zu integrieren und - vor allem - sie auch langfristig zu halten", so Isfort. Nach seiner Einschätzung ist das deutsche Pflegesystem international "aktuell nicht konkurrenzfähig". Bezahlung und Sozialprestige seien im europäischen Vergleich eher schlecht.

"Die Arbeitsbelastung ist deutlich höher, die Personalschlüssel sind niedriger. Außerdem sind die Kompetenzen vielfach beschränkter, genauso wie die Karrierechancen", sagte der Pflegewissenschaftler. Ausgebildete und gut qualifizierte Pflegekräfte gingen deshalb deutlich lieber nach Skandinavien, in die Benelux-Staaten, nach Österreich oder Großbritannien.

Beruf muss attraktiver werden

Ein Ausweg könne nur gefunden werden, wenn "wir unsere Hausaufgaben hier im Lande machen: Arbeitsbedingungen und Bezahlung in der Pflege müssen deutlich verbessert werden. Erst dann werden sich mehr junge Menschen für den Pflegeberuf entscheiden, Berufsaussteiger zurückkehren und Personen, die ihre Arbeitszeit wegen der hohen Belastung reduziert haben, wieder aufstocken." Erst dann werde das deutsche Pflegesystem auch für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland so attraktiv werden, dass sie eine nennenswerte Größe werden", sagte Isfort.

Mit Blick auf Forderungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der Pflegewissenschaftler, der Minister habe Recht, wenn er die Integration ausländischer Fachkräfte beschleunigen wolle. "Er hat nie gesagt, dass ausländische Fachkräfte alleine die Personalnot lösen können." Allein im Bereich der Altenpflege - also in Heimen und ambulanten Sozialstationen - gebe es derzeit rund 40.000 offene Stellen.

Minister Spahn steht in der Kritik

Zuvor hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz Spahn heftig kritisiert. "Spahn müsste als langjähriger Gesundheitsexperte eigentlich wissen, dass alle bisherigen Programme zur Anwerbung ausländischer Pflegekräfte gescheitert sind", sagte Vorstand Eugen Brysch der KNA. Der Minister streue der Bevölkerung Sand in die Augen, wenn er unterstelle, dass sich der Personalnotstand auf diese Weise lindern lasse.

Kritik äußerte am Dienstag auch der Marburger Bund in NRW. Die von Spahn vorgeschlagene Notlösung, Abschlüsse für Pflegekräfte und Ärzte aus dem Ausland beschleunigt anzuerkennen, berge immense Risiken für die Qualität der Patientenversorgung, warnte die Ärztegewerkschaft. Hohe Qualifikationsstandards müssten eingehalten werden.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste begrüßte dagegen den Vorstoß des Bundesgesundheitsministers. Jede Pflegereform scheitere ohne qualifizierte Zuwanderung.

Im Video: Reaktion auf Spahn - Mutter zeigt, wie sie Leben für vierköpfige Familie trotz Hartz IV meistert

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