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Sunday, September 16, 2018

Stadtbekannter Krimineller erschossen - Intensivtäter, Clan-Mitglied, Studienobjekt: Die Ausmaße des Falls Nidal R.

Stadtbekannter Krimineller erschossen: Intensivtäter, Clan-Mitglied, Studienobjekt: Die Ausmaße des Falls Nidal R.
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Am Donnerstag wurde Nidal R. in Berlin beerdigt, wenige Tage zuvor war der stadtbekannte Kriminelle auf offener Straße erschossen worden. Das Leben des 36-jährigen staatenlosen Palästinensers beschäftigt die Behörden bereits seit Jahrzehnten: Er galt als „Musterbeispiel“ eines Intensivtäters.

Unter Bewachung von 150 Polizeibeamten wurde Clan-Mitglied Nidal R. von 2000 Trauergästen zu Grabe getragen. Die Behörden sorgten sich, es könne bei der Beerdigung des bekannten Kriminellen nach islamischen Ritus zu Gewalt kommen, doch alles blieb ruhig. Clan-Größen aus Berlin und anderen Städten demonstrierten Verbundenheit. Die Zeremonie erregte dennoch Aufmerksamkeit.

Der im Libanon geborene staatenlose Palästinenser kam den Berichten nach als Achtjähriger nach Deutschland und beging bereits mit zehn Jahren erste Straftaten. Seither beschäftigte Nidal R. die Behörden – auch weil sie gar nicht wussten, wie sie mit einem so jungen Serienstraftäter umgehen sollten. Unter dem anonymisierten Namen „Mahmoud“ wurde regelmäßig über ihn berichtet.

Mit 14 Jahren bereits ein Intensivtäter

Bereits bevor Nidal R. mit 14 Jahren strafmündig wurde, umfasste seine Polizeiakte laut „Welt am Sonntag“ 20 Delikte. Und danach wuchs die Liste weiter an: Körperverletzung, Raub, Bedrohung, Nötigung, Drogendelikte, Fahren ohne Führerschein, Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht. Seine Biografie sei schließlich sogar Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung geworden.

Ein leitender Polizeibeamter habe den „Fall Mahmoud“ genutzt, um im Fachmagazin „Kriminalistik“ Kritik an der Berliner Justiz zu üben: „Ist das deutsche Jugendstrafrecht noch zeitgemäß?“ hieß die Studie demnach. In Frage gestellt wurde, dass in 52 von 60 Fällen die Urteile zur Bewährung ausgesetzt wurden oder die Gerichte von einer Haftstrafe abgesehen hätten – Nidal R. beging weiter Straftaten.

In der Hauptstadt galt er schnell als „Intensivtäter“. Seine kriminelle Karriere war sogar Auslöser für die Staatsanwaltschaft, eine Spezialabteilung für Jugendliche zu gründen, die immer wieder schwere Straftaten begehen. Nidal R. verbrachte viele Jahre hinter Gittern - mehr als ein Drittel seines Lebens. Eine Abschiebung in den Libanon scheiterte wegen ungeklärter Staatsbürgerschaft.

Opfer der Clan-Gewalt in Berlin

Im Mai 2014 wurde Nidal R. laut „Welt am Sonntag“ zuletzt verurteilt: Er war nach einem Discobesuch alkoholisiert und unter Drogen stehend in seinen Wagen gestiegen und habe bei seiner Fahrt mehrere Autos gerammt und einen anderen Fahrer verletzt. Dafür musste der damals 31-Jährige für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Bei der Urteilsverkündung habe er gebrüllt und getobt.

Dennoch habe Nidal R. erklärt, er wolle nach verbüßter Strafe mit seiner Frau und seinen Kindern ein neues Leben anfangen, wie die „Welt am Sonntag“ berichtet. Dazu hatte der „Prototyp eines Intensivtäters“ jedoch keine Gelegenheit mehr: Am 9. September wurde er am helllichten Tag mitten in Berlin angeschossen - vor den Augen seiner Familie. Wenig später starb er im Krankenhaus.

Die Täter, die aus nächster Nähe acht Kugeln auf ihr Opfer feuerten, flüchteten und sind bislang nicht gefasst. Das Fluchtauto wurde ausgebrannt entdeckt. Die Ermittler gehen von drei Tätern aus. Damit ist das Kapitel Nidal R. nicht abgeschlossen. Insider sehen die tödliche Attacke auch als Signal an die Szene der kriminellen Clans in Berlin: Sie rechnen mit Racheakten.

Gezielteres Vorgehen gegen Clans und Intensivtäter

Was sind die Konsequenzen aus dem Fall Nidal R.? Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) forderte eine bundesweite Zusammenarbeit der Behörden. „Wir brauchen eine bundesweit einheitliche Definition von Clan-Kriminalität“, sagte er der Zeitung „BZ“. Bei der Polizei wäre ein einheitlicher Marker in Datenbanken sinnvoll, um Täter in ganz Deutschland identifizieren zu können.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, forderte eine allgemeine Intensivtäter-Datei. „Wir brauchen eine länderübergreifende Datei für Intensivtäter, auf die alle Ermittler Zugriff haben sollten“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Der Vorteil wäre, dass die Polizei eines Bundeslandes auf einen Blick sehen könnte, in wie vielen anderen Ländern noch Verfahren gegen dieselbe Person laufen.“

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeige sich demnach offen für den Vorstoß und Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter habe konkrete Vorstellungen, eine solche Datei analog zu der Datei „Gewalttäter Sport“ einzurichten. Die dortige Blaupause, dass ein Staatsanwalt und eine Dienststelle gebündelt alle Delikte eines Täters behandeln, müsse man für alle Intensivtäter anwenden.

Ein Bild aus „finsteren Mafia-Filmen“

Der Fall Nidal R. hat ohne Zweifel wieder ein Schlaglicht auf die kriminellen Clans in der Hauptstadt geworfen. Es geht um Geldwäsche, Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Menschenhandel und Korruption. Allein im vergangenen Jahr richteten sich 14 der 68 größeren Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität gegen Banden mit arabisch-libanesischstämmigen Mitgliedern.

Auch zur Beerdigung von Nidal R. waren mehrere Clan-Größen erschienen. „Dieses Bild erinnert an finstere Mafia-Filme“, sagte Neuköllns Bezirksbürgermeister Hikel der „BZ“. „Sie zeigen damit: Wir haben uns eine Parallelwelt gebastelt, in der keine Gesetze des Rechtsstaats mehr gelten.“ Er hofft nun auf eine engere Kooperation besonders betroffener Bundesländer wie Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

Im Video: Mafia-Experte erklärt Berlins Clan-Strukturen nach Mord auf offener Straße

dn/mit dpa
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