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Friday, September 1, 2017

Bundestagswahl 2017 - Ifo-Präsident Fuest schlägt radikale Reformen vor

Bundestagswahl 2017: Ifo-Präsident Fuest schlägt radikale Reformen vor
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Ob Rente, Steuern oder Gesundheit: In Deutschland gibt es großen Reformbedarf. Für FOCUS Online haben führende Ökonomen exklusiv aufgeschrieben, was sie von der neuen Bundesregierung fordern.

Was muss die neue Bundesregierung nach der Wahl anders machen? Was sind die drängendsten Probleme? FOCUS Online hat Deutschlands Top-Ökonomen gebeten, ihre ganz eigene Wunschliste für die nächste Legislaturperiode zusammenzustellen. Hier antwortet Clemens Fuest, Direktor des Münchner Ifo-Instituts:

Wunsch 1: Steuerpolitik

"Im Bereich der Steuerpolitik sollte die Politik die Einkommensteuer senken und den Schwerpunkt der Entlastung im Bereich des Mittelstandsbauches legen. Aber das darf nicht alles sein. Nötig ist außerdem eine Reform der Kommunalfinanzen. Die Gewerbesteuer sollte entfallen und durch einen Zuschlag zur Einkommen- und Körperschaftsteuer ersetzt werden. Zur Vereinfachung des Steuersystems sollte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz abgeschafft und der Normalsatz gesenkt werden.

Bei der Erbschaftsteuer sollten Ausnahmen abgeschafft und ein einheitlicher Steuersatz von acht bis zehn Prozent eingeführt werden. Bei der Grunderwerbsteuer haben viele Länder in den letzten Jahren die Steuersätze drastisch erhöht. Die Regelungen des Bundesfinanzausgleichs begünstigen diese Steuersatzerhöhungen, weil sie die Bundesländer für eine sinkende Bemessungsgrundlage, also weniger Immobilienkäufe, kompensieren. Diese Steuererhöhungsanreize sollten abgebaut werden."

Gehaltscheck: Zum Brutto-Netto-Rechner 2017

Wunsch 2: Digitalisierung

"Beim Thema Digitalisierung sollte die Politik sich weniger auf die Infrastruktur konzentrieren und lieber Regulierungen abbauen, die digitalisierte Geschäftsmodelle behindern. In Deutschland ist die digitale Infrastruktur wie etwa die Breitbandversorgung vergleichsweise gut. Schlecht schneidet Deutschland bei der Nachfrage ab. Das liegt vor allem an innovationsfeindlichen Regulierungen. Unternehmen der Sharing Economy im Bereich der Vermietung oder der Taxidienste (Airnb, Uber) werden ebenso durch Regulierungen behindert wie etwa Online-Dienste im Gesundheitsbereich.

Deutschland kann seinen Rückstand im Bereich der digitalen Wirtschaft nur überwinden, wenn hier gezielt dereguliert wird. Hinzu kommt, dass die öffentliche Verwaltung selbst unzureichend digitalisiert ist. Die neue Bundesregierung sollte gemeinsam mit den Ländern eine Offensive zum Ausbau von e-Government unternehmen."

Wunsch 3: Schädliche Reformen unterlassen

"Wichtig wäre außerdem, dass die Politik schädliche Dinge unterlässt, die in den Wahlprogrammen einiger Parteien stehen. Die Einführung einer Nettovermögensteuer würde zu einer Kapitalflucht führen und das Wirtschaftswachstum in Deutschland schädigen. Eine restriktivere Regulierung von befristeten Beschäftigungsverhältnissen und Leiharbeit würde die Beschäftigungschancen vor allem niedrig qualifizierter Arbeitnehmer beeinträchtigen. Einebeitragsunabhängige Grundrenteoder die Fixierung des Rentenniveaus auf 48 Prozent des Nettoeinkommens würde den Zusammenhang zwischen Beiträgen und Rentenhöhe schwächen und.

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Ein Fehler wäre auch die Zentralisierung der Bildungspolitik und die Abschaffung von Kindergartengebühren. Die föderale Vielfalt der Bildungspolitik erlaubt es, in der Bildungspolitik unterschiedliche Wege zu gehen und über den Weg des Wettbewerbs etwas darüber zu lernen, welche Ansätze erfolgreich sind und diese durchzusetzen. Die Abschaffung von Kindergartengebühren würde vor allem gut verdienende Eltern entlasten und dem Bildungssystem Geld entziehen, das dringend gebraucht wird. Es ist besser einkommensabhängige Kindergartengebühren beizubehalten und außerdem Studiengebühren zu erheben, um mehr Bildungsinvestitionen zu finanzieren."

Im Video: 1200 Milliarden Euro Kosten: Grafik zeigt, wie ungerecht die SPD-Rentenpläne sind

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Ökonom Enderlein - Wir brauchen Investitionen, Kinderbetreuung und Europapolitik

Ökonom Enderlein: Wir brauchen Investitionen, Kinderbetreuung und Europapolitik
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Ob Rente, Steuern oder Gesundheit: In Deutschland gibt es großen Reformbedarf. Für FOCUS Online haben führende Ökonomen exklusiv aufgeschrieben, was sie von der neuen Bundesregierung fordern.

Was muss die neue Bundesregierung nach der Wahl anders machen? Was sind die drängendsten Probleme? FOCUS Online hat Deutschlands Top-Ökonomen gebeten, ihre ganz eigene Wunschliste für die nächste Legislaturperiode zusammenzustellen. Hier antwortet Henrik Enderlein, Vizepräsident der Hertie School of Governance und Direktor des Jaques Delors Instituts:

Wunsch 1: Investitionen

"Ich wünsche mir mehr Investitionen für unser Land. Und ich meine damit nicht nur die dringend überfällige Instandsetzung unserer Infrastruktur, sondern auch echte Zukunftsinvestitionen in Bildung oder die Digitalisierung Deutschlands. Die Politik kritisiert das Wirtschaftsmodell der deutschen Autoindustrie, weil sie es nicht schafft, sich zukunftsfit zu machen. Wenn wir ehrlich sind, dann gilt diese Diagnose aber auch für die Staatsausgaben!"

Wunsch 2: Kinderbetreuung

"Ich wünsche mir bessere Kinderbetreuung. Das ist ein echter Wirtschaftsfaktor. In Deutschland fehlen 350.000 Kita-Plätze. Gleichzeitig wollen 500.000 Frauen statt in Teilzeit in Vollzeit arbeiten. Wir verschenken einen wichtigen Teil unserer Wohlstands, wenn Frauen (oder auch einige Männer) gegen ihren Willen zu Hause bleiben müssen, weil die Gesellschaft kein funktionsfähiges Kinderbetreuungsmodell anbietet."

Wunsch 3: Europapolitik

"Ich wünsche mir eine neue Europapolitik. Deutschland wird nur in einem starken Europa stark bleiben. Das Durchwursteln der letzten Jahre setzt letztlich auch unsere Erfolge aufs Spiel. Wir müssen mit Emmanuel Macron die Währungsunion neu ausrichten. Wir müssen die Außen- und Sicherheitspolitik neu gestalten. Und wir brauchen eine europäische Antwort auf die Flüchtlingskrise."

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Bundestagswahl 2017: Das fordern Deutschlands Top-Ökonomen

FOCUS Online hat Deutschlands Top-Ökonomen gefragt, welche drei Themen sie nach der Bundestagswahl unbedingt im neuen Koalitionsvertrag verankert sehen wollen. Diese Wissenschaftler haben exklusiv für FOCUS Online Ihre ganz eigenen Wunschlisten zusammengestellt:

Im Video: 1200 Milliarden Euro Kosten: Grafik zeigt, wie ungerecht die SPD-Rentenpläne sind 

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Auswärtiges Amt teilt mit - Zwei weitere Deutsche in der Türkei festgenommen

Auswärtiges Amt teilt mit: Zwei weitere Deutsche in der Türkei festgenommen
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Großrazzia gegen Gülen-Bewegung in türkischer Polizei
dpaBild 1/2 - Die türkische Polizei mit Gülen-Anhängern, die bei einer Großrazzia verhaftet wurden (Symbolbild)
Polizeieinsatz
dpa/Lefteris PitarakisBild 2/2 - Türkische Polizisten (Symbolbild)
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Die türkischen Behörden haben zwei weitere Deutsche festgenommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Angaben des Auswärtigen Amts.

Mehr in Kürze auf FOCUS Online.

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Rentenpläne der Parteien - Welche Jahrgänge profitieren – und welche draufzahlen müssen

Rentenpläne der Parteien: Welche Jahrgänge profitieren – und welche draufzahlen müssen
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Die Rente ist eines der zentralen Themen dieser Bundestagswahl. Doch was SPD und CDU mit den Altersbezügen vorhaben, unterscheidet sich stark. FOCUS Online präsentiert die große Übersicht, welcher Jahrgang wie von den Rentenversprechen betroffen wäre.

Die SPD wirbt vor der Bundestagswahl mit mehr Gerechtigkeit. Tatsächlich jedoch kosten alleine ihre Rentenversprechen mehr als 1,2 Billionen Euro. Das besagt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Besonders ungerecht ist die unterschiedliche Belastung der Generationen: Den größten Teil der Kosten tragen mit 1,1 Billionen Euro demnach Generationen, die noch gar nicht geboren sind. Auch heutige Kinder und Jugendliche werden belastet. Wer vor 1994 geboren wurde, profitiert hingegen.

Ähnlich, wenngleich weniger dramatisch, sieht es bei der Mütterrente der Union aus:  Die koste die heutige Jugend und künftige Generationen 171 Milliarden Euro. Wer älter ist, profitiert hingegen. Da die Union keine Rentenreform verspricht, sondern die aktuellen Pläne weiter fortführen will, ist die Mütterrente gleichzeitig Teil des Rentenprogramms für die Bundestagswahl.

Rechnet man die Versprechen der beiden großen Parteien SPD und CDU/CSU durch, so ergibt sich für jeden einzelnen Bürger je nach Geburtsjahr folgende Be- bzw. Entlastung:

Rentenprogramme: Mehr- und Minderbelastung der Jahrgänge 1980 bis 2016 (pro Kopf)

 

Rentenprogramme: Mehr- und Minderbelastung der Jahrgänge 1942 bis 1979 (pro Kopf)

 

Rentenprogramme: Mehr- und Minderbelastung der Jahrgänge 1915 bis 1941 (pro Kopf)

 

Im Video: 1,2 Billionen Euro Kosten: Eine Grafik zeigt, wie ungerecht die SPD-Rentenpläne sind

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+++ Bundestagswahl 2017 im News-Ticker +++ - Oppermann: TV-Duell wird Umfrage-Wende bringen

+++ Bundestagswahl 2017 im News-Ticker +++: Oppermann: TV-Duell wird Umfrage-Wende bringen
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Am 24. September 2017 wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange: Die SPD kann vom "Schulz-Effekt" nicht mehr profitieren. Die FDP unter Lindner befindet sich im Aufschwung - eine Koalition mit der Union könnte eine Option werden. Alle Informationen zur Bundestagswahl im News-Ticker von FOCUS Online.

SPD-Fraktionschef: TV-Duell wird Wende in den Umfragen bringen

Freitag, 1. September, 10.27 Uhr: SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hofft auf einen Umfrageschub für seine Partei durch das TV-Duell. "Wir konzentrieren uns auf die Aufholjagd und da spielt das Duell am Sonntag eine große Rolle", sagte Oppermann am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Er glaube, dass der Sonntag für viele der Tag der Entscheidung sei. Schließlich seien nach jetzigem Stand 40 Prozent der Menschen unentschlossen, für wen sie bei der Bundestagswahl am 24. September abstimmen wollen. "Wir werden die Wahl gemeinsam gewinnen, das ist doch klar."

Bei dem TV-Schlagabtausch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz die Chance, eine Mehrheit auf seine Seite zu ziehen. "Wir werden am Sonntag eine Veränderung in den Umfragen bekommen", prognostizierte Oppermann. Schulz werde das Duell nicht verlieren.

Im Video: Jeder bekommt den deutschen Pass? So viele Einbürgerungen gibt es wirklich

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Kenia - Oberstes Gericht annulliert Präsidentenwahl

Kenia: Oberstes Gericht annulliert Präsidentenwahl
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Kenias oberstes Gericht hat die Präsidentenwahl vom 8. August annulliert. Das gab der Vorsitzende Richter Justice Marsha am Freitag in Nairobi bekannt. Der Oppositionsführer Raila Odinga hatte seine Niederlage bei der Präsidentenwahl vor Gericht angefochten, nachdem der Amtsinhaber Uhuru Kenyatta zum Wahlsieger erklärt worden war.

Mehr in Kürze auf FOCUS Online

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Der Standpunkt von Edmund Stoiber - Kampf gegen Rechts gelingt nicht durch linke Parolen gegen das Konservative

Der Standpunkt von Edmund Stoiber: Kampf gegen Rechts gelingt nicht durch linke Parolen gegen das Konservative
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Am 24. September wird der Bundestag gewählt. FOCUS Online bietet bis dahin ein Debatten-Forum zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen. Es schreiben bekannte Namen der deutschen Politik. Heute: Edmund Stoiber, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender. 

Deutschland ist – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – nach dem Zweiten Weltkrieg von starken rechtsradikalen Parteien verschont geblieben. Hauptursache war natürlich die abschreckende Wirkung der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, von deren nationalen Wahn die meisten Deutschen nichts mehr wissen wollten. Zugleich fanden viele national-konservativ Gesinnte in der neu gegründeten CSU beziehungsweise der CDU eine politische Heimat. CDU und CSU traten mit dem Anspruch an, die Zersplitterung der Parteienlandschaft der Weimarer Republik zu vermeiden und alle sozialen Schichten und christlichen Konfessionen in einer „Volks“-Partei zu vereinen.

Es bildeten sich drei Antriebskräfte heraus, die für die Politik der Unionsparteien maßgebend wurden: eine liberale, eine soziale und eine konservative Kraft. Das politische Programm der Union wird seither geprägt von Werten wie Freiheit, Eigenverantwortung, der christlichen Soziallehre, einer starken staatlichen Ordnung nach innen wie nach außen, einer hohen Wertschätzung von Ehe und Familie und einem friedlichen Nationalbewusstsein, das nichts mit einem aggressiven Nationalismus gemein hat.

Dabei war die CSU, auch beeinflusst durch das starke katholische Element in Bayern, immer ein Stück konservativer als ihre Schwesterpartei CDU: nicht konservativ im Sinne eines Reaktionärs, der jede Änderung ablehnt, sondern im Sinne von Franz Josef Strauß, der einmal sagte, dass konservativ sein heiße, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren. 

Deutschland vor der Wahl

Guttenberg, Riester, Stoiber und Trittin: Zahlreiche Gastautoren schreiben in den Tagen bis zu der Bundestagswahl am 24. September Beiträge für FOCUS Online, in denen sie zum politischen Tagesgeschehen Stellung beziehen.

Hier die bisher erschienenen Beiträge in der Übersicht:

Teil 1: Edmund Stoiber zum Kampf gegen Rechts

 

 

Die CSU hat um die Stimmen des demokratischen rechten Lagers gekämpft

Dieses oben skizzierte Programm sprach und spricht auch das rechte demokratische Spektrum an, das auf diese Weise programmatisch in das breite demokratische Spektrum einer Volkspartei eingefügt werden konnte. Beispielsweise ist es Konrad Adenauer gelungen, rechte Kleinparteien wie die Deutsche Partei oder den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten in die CDU zu integrieren bzw. zur politischen Bedeutungslosigkeit zu verurteilen.

Auch die CSU hat erfolgreich um die Stimmen des demokratischen rechten Lagers gekämpft. Es war ein Verdienst der CSU und besonders von Franz Josef Strauß, dass die nationalistische NPD bei der Bundestagswahl 1969 nicht in den Bundestag eingezogen und 1970 aus dem Bayerischen Landtag geflogen ist. Strauß hat das völkische Gedankengut dieser Partei klar zurückgewiesen, aber zugleich durch ein kantiges konservatives Profil zum Beispiel mit der Ablehnung der Ostpolitik von Willy Brandt einen Teil der potenziellen Protestwähler von der NPD auf die Seite der Union gezogen.

Strauß nahm die CSU in die Pflicht: rechts von ihr keine demokratische Partei

Die gleiche Strategie wandte die CSU erfolgreich bei der Partei „Die Republikaner“ an. Sie wurde Mitte der 80er Jahre von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründet und orientierte sich ab 1985 unter ihrem Vorsitzenden Franz Schönhuber deutlich nach rechts-außen. Nachdem die Republikaner bei der bayerischen Landtagswahl 1986 drei Prozent der Wählerstimmen errungen hatten, war Franz Josef Strauß so betroffen, dass er die CSU in die Pflicht nahm, rechts neben ihr keine demokratisch legitimierte Partei aufkommen zu lassen. In Folge dessen hat sich die CSU klar von den rechts-nationalistischen Parolen der Republikaner abgegrenzt, aber gleichzeitig die berechtigten Sorgen der Republikaner-Wähler aufgegriffen.

Hauptthema war Anfang der 90er Jahre die Asylpolitik. Aufgrund des Auseinanderbrechens Jugoslawiens waren die Asylbewerberzahlen Anfang der 90er Jahre in Deutschland rasant angestiegen. Die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber dem großzügigen deutschen Asylrecht verschlechterte sich dramatisch. Rechte Parteien zogen daraus politischen Nutzen: Die Republikaner zogen auf dem Höhepunkt der Asylkrise 1992 mit 10,9 Prozent in den baden-württembergischen Landtag ein, die DVU errang zum gleichen Zeitpunkt 6,3 Prozent bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Als Reaktion darauf wurde – maßgeblich betrieben von mir als damaligen bayerischen Innenminister – das Asylrecht 1993 deutlich verschärft. Das war mit ein Grund, warum die Republikaner an Zustimmung verloren haben und letztlich politisch untergegangen sind.

Das Rezept: den Menschen vorurteilsfrei zuhören, ihre Sorgen ernst nehmen

Das Diktum von Strauß, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben darf, ist gestern wie heute hochaktuell. Auch das Erfolgsrezept ist das gleiche wie vor 25 Jahren: den Menschen vorurteilsfrei zuhören, ihre Sorgen ernst nehmen und politisch handeln. Die Errichtung künstlicher Tabus oder übertriebene „Political Correctness“ sind der falsche Weg.

Die AfD ist bei den Landtagswahlen des Jahres 2016 nur deshalb so stark geworden, weil sich viele Menschen durch den massiven Flüchtlingszustrom und den zeitweisen Kontrollverlust an der deutschen Grenze stark verunsichert fühlten, aber ihre Verunsicherung im politischen Raum von den etablierten Parteien – von der CSU abgesehen – nicht beachtet wurde. Jeder, der die vorherrschende Willkommenskultur nicht teilte und Bedenken hinsichtlich der Integrationsfähigkeit der Flüchtlinge äußerte, wurde von einem „Meinungskartell“ aus Politik und Medien in die rechte Ecke gestellt. Die Existenz dieses „Meinungskartells“ wurde vor kurzem durch eine Studie der Hamburg Media School und der Universität Leipzig bestätigt.

Kritik gegen die Flüchtlingspolitik nur noch im kleinen Kreis geäußert

Auch die Sorgen vieler Menschen vor einer steigenden Kriminalitätsbelastung, vor dem Einsickern islamistischer Terroristen und dem Erstarken eines aggressiven politischen Islams wurden politisch nicht ausreichend aufgenommen. Infolgedessen wurde Kritik gegen die Flüchtlingspolitik nur noch im kleinen Kreis geäußert und an der Wahlurne ein „Ventil“ für den Protest gesucht, das viele Menschen bei der AfD zu finden glaubten.

Mittlerweile ist es in der Flüchtlingsdebatte ruhiger geworden und die AfD hat deutlich an Zuspruch verloren. Das liegt aber nicht nur an den zurückgehenden Asylbewerberzahlen, sondern auch weil die unionsgeführte Bundesregierung die Asylgesetzgebung deutlich verschärft hat und der AfD damit das Thema weggenommen hat. Klar ist für CDU und CSU, dass sich eine Situation wie 2015 nicht wiederholen darf und wird. Diese gemeinsame Position trägt die Handschrift der CSU. Von der Union durchgesetzte Maßnahmen wie die schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, eine strenge Begrenzung des Familiennachzugs von Flüchtlingen, die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer und die Verschärfung der Sicherheitsgesetze zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus haben den Bürgern gezeigt, dass ihre Ängste aufgegriffen und einer politischen Lösung zugeführt wurden. Der von Linken immer wieder gerne ausgerufene „Kampf gegen Rechtsextremismus“ ist jedenfalls nicht durch Dämonisierung konservativer Anliegen zu führen.

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